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7. April 2012

Italo-Reihe bei den "Freunden des Schrägen Films"

Wer wissen will, was Dominik Graf einst mit dem Begriff "italodynamisches Erzählen" meinte, bekommt in den nächsten Wochen in der neuen Film-Staffel der "Freunde des schrägen Films" bestes Anschauungsmaterial geliefert: Unter dem Titel "Leder, Knarren, Meuchelmörder - Italienische Thriller der 60er und 70er Jahre" läuft dort bereits seit vergangenen Montag (an dem dann auch eines der großen Highlighs bereits lief: Der Tod trägt Schwarzes Leder, ein Film über die Aufdeckung eines Kinderprostitutionsrings, der Bahnen bis in höchste Politkreise zieht, den ich schon zu lange nicht mehr gesehen habe, um den kürzlich ausgestrahlten Graf-Film Das unsichtbare Mädchen damit wirklich in Bezug bringen zu wollen, auch wenn ich mehrfach an diesen Film denken musste) eine wirklich exzellent kuratierte Reihe, die den italienischen Thriller noch bis in den Juni von seiner schönsten Seite her zeigt: Schmutzig-spekulativ einerseits, von unbedingtem Stilwillen geprägt andererseits, in der Welt der reißerischen Trivialromane ebenso beheimatet, wie er mit einem Bein im harten, realistischen Alltag des Italiens der 60er und 70er Jahre steht.

Das Programm findet man hier auf der Website des Kinos. Ganz besonders empfohlen seien Der Killer von Wien, Die Grotte der vergessenen Leichen und Der Schwanz des Skorpions (hier hatte ich dazu was geschrieben). Zum Horror-Sex im Nachtexpress werde ich eine Einführung halten, allerdings ist der Film wirklich nur ausgekochten Sleaze-Heimern und nicht unbedingt Einsteigern zu empfehlen.

16. Dezember 2011

Schräger Film: Die Todeskralle des grausamen Wolfes

Bei den "Freunden des schrägen Films" gibt es kommenden Montag eine kleine Änderung: Gezeigt wird Die Todeskralle des grausamen Wolfs, ein spanischer Horrorfilm von 1973 mit Paul Naschy. Wie immer als Kinokopie, wie jeden Montag um 21:30

10. Oktober 2011

Venus in Furs

Die immer großarigen Freunde des schrägen Films zeigen seit letzter Woche eine Reihe zum spanischen Horror- und Exploitationkino. Heute läuft Jess Francos Venus in Furs. Was der Programmtext zu erwähnen vergisst: Überbau-Autor Thomas Groh hält einen Einführungsvortrag.

25. März 2011

Engel der Hölle.

Am kommenden Montag zeigen die Freunde des schrägen Films den Bikesploitation-Film Engel der Hölle. Dem Trailer nach zu urteilen kommt da eine ziemliche Schote auf uns zu. Es läuft (und man muss wohl sagen: zum Glück!) die deutsche Synchronfassung:



Der Programmtext:
Die rauen Kerle einer Rockerbande düsen mit ihren dicken Maschinen durch die Stadt und verbreiten Terror. Die Polizei hält sich zurück. Als die Biker ein junges Mädchen vergewaltigen, ruft das den Vietnam-Veteranen und Halbblut-Indianer Billie Jack auf den Plan. Er will Vergeltung. Die Mischung aus Biker-, Rachefilm und Melodram kam zur rechten Zeit. Amerika sehnte sich nach Helden, die das Gesetz selbst in die Hand nahmen und aufräumten. „Engel der Hölle“ wurde ein verstörender Hit, der eine ganze Serie von Billie Jack-Filmen hervorbrachte: Für Tom Laughlin die Rolle seines Lebens. Hollywood-Ikone Jane Russell glänzt in einer Nebenrolle.

29. Juli 2010

Freunde des schrägen Films jetzt Montags

Die "Freunde des schrägen Films" kehren nach einer verlängerten WM-Pause gut erholt zurück. Geändert hat sich allerdings der Veranstaltungstag: Nicht mehr Mittwochs laufen zukünftig Perlen des abseitigeren Genrekinos (stets in tollen Zelluloidkopien) im Babylon Mitte, sondern zwei Tage vorher, jeweils Montags. Die neue Reihe "Gloriosi Bastadi" ist wieder ganz dem Italo-Wahnwitz gewidmet:

Gloriosi Bastardi. Enzo Castellari & Co.

Alle Jahre wieder berauschen wir uns an der unermesslichen Vielfalt des italienischen Genrekinos, das in seiner Glanzzeit zwischen 1966 und 1980 jährlich etwa 500 Filme auswarf. Sie alle hielten, was sie versprachen: Ungebügeltes Kino für Nächte, die kein Morgen kennen, melancholische Balladen und ungeheuren Rabatz, Gegenwelten voller Intrigen, Hässlichkeit und Verzweiflung, Schweiß und Adrenalin. Näher beschäftigt haben wir uns in unseren Reihen bereits mit italienischen Thrillern, Western und Space-Operas und besonders gerne mit dem Werk von Dario Argento.

Nun rücken wir mit Enzo G. Castellari einen Regisseur ins Zentrum, der in letzter Zeit vor allem durch Quentin Tarantinos laut bekundete Verehrung wieder bekannt geworden ist. Mit „Inglorious Basterds“ (2009) schuf Tarantino die fabelhafte Adaption eines (fast) gleichnamigen Castellari-Films und verneigte sich damit vor einer Eminenz des Actionfilms. Bei uns stehen allerdings weder Castellaris „The Inglorious Bastards“ (1978) noch seine weithin anerkannten Meisterwerke „Tote Zeugen singen nicht“ (1972) und „Keoma“ (1976) auf dem Programm; beide liefen schon bei uns. Vielmehr interessieren uns die etwas verschütteten Arbeiten von Castellari, die wir den Werken von Kollegen gegenüberstellen. Wenn wir unsere Reihe „Gloriosi Bastardi“ nennen, so wollen wir damit auch jene Werke rühmen, die Bastarde sind, nämlich illegitime Sprösslinge viel teurerer Hollywoodproduktionen, und zugleich doch ganz eigenständige Kreationen eines wilden Genrekinos.

Enzo G. Castellari, geboren 1938 in Rom, kommt aus einer Familie, die sich bis heute dem Film verschrieben hat: Sein Vater, Marino Girolami, arbeitete als Schauspieler und seit den 50er Jahren als ausgesprochen produktiver Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Bei ihm ging Castellari (noch unter seinem Familiennamen Girolami) in die Lehre und wurde vom Filmvirus gepackt, so wie auch sein Bruder Ennio, sein Cousin Massimo und seine Tochter Stefania. Nebenbei bekam der junge Castellari von seinem Vater Unterricht im Boxen und eine Ausbildung zum Stuntman. Robustheit, Dynamik und die Freude am Spektakel zeichnen denn auch seine späteren Filme aus. Wäre Castellari zehn Jahre früher geboren worden, so hätte er sich wohl mit Herkules- oder Maciste-Filmen bewähren müssen. Stattdessen ließ man ihn zuerst Western drehen, bevor er Anfang der 70er Jahre seine Bestimmung im temporeichen, actiongeladenen Polizeifilm fand – oft mit seinem kongenialen Hauptdarsteller Franco Nero. Damals erwarb er sich durch seine in Zeitlupe gefilmten, geradezu poetisch choreographierten und opernhaft orchestrierten Actionszenen den Ruf eines italienischen Sam Peckinpah. Vom langsamen Abstieg der italienischen Genrefilmproduktion wurde auch Castellari betroffen: Zunächst versuchte es der stets unabhängige und qualitätsbewusste Regisseur mit freien Variationen amerikanischer Blockbuster, bevor er sich dann Mitte der 80er Jahre auf Arbeiten fürs Fernsehen verlegte. Bald aber kommt er zurück: Für 2010 ist der Kinostart von Castellaris Gangsterfilm „Caribbean Basterds“ angekündigt.


Montag, 2. August 2010 um 21.30 im BABYLON
THE RIFFS - DIE GEWALT SIND WIR (1990: I GUILLIERI DEL BRONX / 1990: THE BRONX WARRIORS)
Italien 1982, R: Enzo G. Castellari, Regie-Assistentin: Stefania Girolami, D: Vic Morrow, Christopher Connelly, Fred „The Hammer“ Williamson, Mark Gregory, Stefania Girolami, George Eastman, Massimo Vanni, deutsche Fassung, 86 Min.
In der nahen Zukunft. Die Bronx von New York ist völlig verwahrlost: ein Ort der Düsternis, Anarchie und Grausamkeit. Hier herrscht das Gesetz der Straße, vertreten von rivalisierenden Motorradgangs, die sich aufs Blut bekämpfen. Ab Mitte der 70er Jahre gerät das italienische Genrekino zunehmend unter Druck, weil amerikanische Blockbuster mit immer größeren Budgets für Stars und Special Effects den Markt beherrschen wollen. Auch Castellari verlegt sich noch mehr als zuvor auf billige, aber kreative Variationen (sprich: Plagiate) von erfolgreichen Vorbildern: Hatte er schon mit „The Inglorious Bastards“ (1978) den Robert-Aldrich-Klassiker „Das dreckige Dutzend“ (1967) abgekupfert, so dreht er jetzt neben einem Verschnitt von „Der weiße Hai“ (1974) diverse Endzeit-Filme, die irgendwo zwischen „Mad Max“ (1978) „Die Klapperschlange“ (1981) und „Conan, der Barbar“ (1981) ihr Plätzchen finden. Der spannendste und einfallsreichste davon ist „The Riffs“: Wieder einmal erweist sich Castellari als Spezialist für zupackende Action und spektakuläre Stunts. Bei aller Härte und allem Gore zeigt er aber auch seinen Sinn fürs Skurrile und lässt eine Gang auf Rollschuhen herumfahren. Heute sind die 80er Jahre wieder schick, und wir erfreuen uns an knallengen Jeans, Wischmopp-Frisuren à la Puyol und einem Soft-Metal-Soundtrack mit jaulenden E-Gitarren.


Montag, 9. August 2010 um 21.30 im BABYLON
DEALER CONNECTION - DIE STRASSE DES HEROINS (LA VIA DELLA DROGA)
Italien 1977, Regie: Enzo G. Castellari (Enzo Girolami), D: Fabio Testi, David Hemmings, DF, 93 Minuten
Ein Undercover-Polizist will in Rom einen Drogenring aushebeln und die großen Bosse zur Strecke bringen. Fabio Testi ist der Cop und der Brite David Hemmings aus „Blow Up“ (1966) steht ihm als biederer Chef zur Seite. Mitte der 70er Jahre ebbt das Interesse am Italowestern merklich ab. Doch Italiens Filmemacher transferieren die Motive der Racheepen erfolgreich auf andere Genres: Castellari baut sie in seine Polizeifilme ein, wofür „Dealer Connection“ ein großartiges Beispiel ist, auch wenn es hier mal nicht um Rache geht. Wenn Drogen etwas mit Sinnestäuschungen zu tun haben, mit Verfolgungsjagden wie in Trance, irren Farben, Oberflächen und spektakulären Settings, dann wirkt der 70er Jahre Style von „Dealer Connection“ wie die ultimative Dosis. Die kongeniale Musik kommt von Goblin, Dario Argentos Hausband.

Montag, 16. August 2010 um 21.30 im BABYLON
TÖDLICHE NEBEL (I DIAFANOIDI VENGONO DA MARTE)
Italien 1965, Regie: Anthony Dawson (Antonio Margheriti), D: Tony Russell, Franco Nero, Deutsche Fassung, Farbe, 97 Min.
Im 21. Jahrhundert wird das Sonnensystem von einem mysteriösen Nebel bedroht, der ganze Raumstationen entführt und sich langsam Richtung Erde ausbreitet. Commander Mike Halstead und seine Astro-Cops von der „Gamma Uno“ machen sich daran, nach Aliens zu suchen. Horrorfilme mit nebligen Settings und ultralangen Schatten hat Castellari ausdrücklich gemieden. Zuständig dafür war zum Beispiel der Tüftler und ehemalige Setdesigner Antonio Margheriti, dem es hervorragend gelang, seine Western, Space-Operas und Gialli mit Horrorelementen zu verdüstern. Später machte er dann – wie Castellari auch – vor allem krachende Actionfilme. Als in den 60er Jahren das italienische Kino nach den Sandalenfilmen auch die Weltraumepen mit ihren aufwendigen Spezial Effekten für sich entdeckte, war Margheriti allererste Wahl. „Tödliche Nebel“ ist der beste von vier ursprünglich für das Fernsehen gedrehten, von ausländischen Partnern produzierten Science Fiction-Filmen, die alle in den selben Sets und mit den selben Schauspielern entstanden. Eine schwierige Mission: funky, bierernst und außerterrestrisch.


Montag, 23. August 2010 um 21.30 im BABYLON
GROSSANGRIFF DER ZOMBIES (NIGHTMARE CITY / INCUBA SULLA CITTÀ CONTAMINATA)
Italien/Mexiko/Spanien 1980, R: Umberto Lenzi, K: Hans Burmann („Die Brut des Bösen“, „Tesis“, „Abre los ojos“), D: Hugo Stiglitz („Die Rache der 1000 Katzen“, „Tintorera“, „Guyana – Kult der Vergessenen“), Francisco Rabal („Viridiana“, „Belle de jour“), Mel Ferrer („Rancho Notorious“, „Krieg und Frieden“), Laura Trotter, deutsche Fassung, 91 Min.
In einem Atomkraftwerk kommt es zur Katastrophe. Die verstrahlten Opfer fliegt man in einer Militärmaschine aus, doch sie verwandeln sich in Bestien und ziehen blutgierig und unaufhaltsam mordend durchs Land. Mit solcherlei Horror- und Zombiefilmen, deren Produktion im Italien der 70er und 80er Jahre prächtig gedieh, hatte Castellari nichts am Hut. Als ihm 1978 die Regie von „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies“ angeboten wurde, lehnte er deshalb dankend ab und überließ sie Lucio Fulci, dessen Karriere damit erst richtig in Fahrt kam. Im Gegensatz zu seinem Sohn hatte Castellaris Vater, Marino Girolami, keine Einwände gegen Untote, Blutspritzerei und schlimmen Geschmack, wie er mit „Zombies unter Kannibalen“ (1979) demonstrierte. Unverständlicherweise ist dieser Film in Deutschland verboten. Stattdessen zeigen wir Umberto Lenzis schmutzigen „Großangriff der Zom-bies“, der lose an die Dioxinvergiftung von Seveso erinnert, aber ebenso im Fahrwasser von Romeros „Dawn of the Dead“ (1978) schwimmt. Er beschert uns ein irrlichterndes Wiedersehen mit dem Bunuel-Spezi Francisco Rabal, dem alten Hollywood-Recken Mel Ferrer und vor allem mit der Mexploitation-Ikone Hugo Stiglitz, der Tarantino in „Inglorious Basterds“ mit seinem gleichnamigen Sergeant – gespielt von Til Schweiger – ein kleines Denkmal setzte.

Montag, 30. August 2010 um 21.30 im BABYLON
IM NETZ DER GOLDENEN SPINNE (MISSIONE SPEZIALE LADY CHAPLIN / OPERACION LADY CHAPLIN)
Italien/Frankreich/Spanien 1966, R: Alberto de Martino, Regie-Assistent: Enzo G. Castellari, M: Bruno Nicolai, D: Ken Clark, Daniela Bianchi, Helga Liné, Mabel Karr, deutsche Fassung, 102 Min.
Agent 077 jagt eine Bande, die eine Atomwaffe gestohlen hat und an einen afrikanischen Staat verkaufen will. Sein ärgster Feind ist die verführerische Lady Chaplin, die mal als Modedesignerin, mal als Wissenschaftlerin und mal als schießwütige Nonne auftritt. Als Sohn eines vielbeschäftigten Regisseurs hatte Castellari von früh an immer mit dem Filmemachen zu tun, genauso wie sein drei Jahre älterer Bruder Ennio, der seit den 50er Jahren vor der Kamera Karriere machte. Bei seinem Vater lernte Castellari das Handwerk als Regie-assistent, Stuntman, Drehbuchautor und Cutter in den damals populär Genres: Komödien, Western und James-Bond-Kopien. So kam es, dass Castellari 1966 auch bei einem der besten italienischen Agentenfilme assistierte: „Im Netz der goldenen Spinne“ ist knallbuntes Actionkino mit schönen Killern, lebensklugen Dialogen und einem fetten Soundtrack von Bruno Nicolai, dessen Musik auch in Tarantinos „Kill Bill“ auftaucht.

Montag, 6. September 2010 um 21.30 im BABYLON
DER TAG DER COBRA (IL GIORNO DEL COBRA)
Italien 1980, R: Enzo G. Castellari, K: Giovanni Bergamini, D: Franco Nero, Sybil Danning, William Berger, Ennio Girolami, Stefania Girolami, Massimo Vanni, Enzo Castellari, deutsche Fassung, 95 Min.
Zu den großen Glücksfällen des italienischen Genrekinos gehört die freundschaftliche Zusammenarbeit von Castellari und Franco Nero, denn in Nero fand der Regisseur den idealen Helden: einen harten Hund mit weichem Kern. Gemeinsam drehen sie 11 Filme, darunter zwei Meisterwerke – den Polizeifilm „Tote Zeugen singen nicht“ (1972) und den Endzeit-Western „Keoma“ (1976). In „Der Tag der Cobra“ spielt Nero einen ehemaligen Drogenfahnder, der nach Jahren im Knast die Gelegenheit bekommt, sich an seinem Lieblingsfeind zu rächen. In Genua durchsucht er finstere Hafenkneipen und schwüle Diskotheken, schlägt sich mit einem karatekämpfenden Transvestiten und entgeht dem Kugelhagel der Gegenseite. Dann trifft er die Sexbombe Brenda (gespielt von Sybil Danning, die sich danach zum Action-Star des amerikanischen B-Films entwickelte). Mit von der Partie sind Neros kleiner Sohn Carlo Gabriel (aus der Verbindung mit Vanessa Redgrave) sowie Castellaris Tochter Stefania, sein Bruder Ennio und sein Cousin Massimo. Elektrisierendes Adrenalinkino, in Zeitlupe fotografiert von Castellaris Lieblingskameramann Giovanni Bergamini („Keoma“) und unterlegt mit süffigem Synthie-Pop.


Montag, 13. September 2010 um 21.30 im BABYLON
JOHNNY HAMLET (DJANGO - DIE TOTENGRÄBER WARTEN SCHON / QUELLA A SPORCA STORIA NEL WEST)
Italien 1967; Regie: Enzo G. Castellari (Enzo Girolami), D: Horst Frank, Gilbert Roland, DF, 78 Min.
Shakespeares adelsmüder Hamlet galoppiert durch den staubigen Westen (der damals in Süditalien lag). Was für ein Versprechen! Der junge, ehrgeizige Castellari übernahm den Stoff vom Djangoerfinder Sergio Corbucci. Die deutsche Bearbeitung konnte sich damit nicht so recht anfreunden, und so wurde aus Johnny Hamilton (Andrea Giordana) kurzerhand der gewinnversprechende Django. Dieser kehrt von Vorahnungen und bösen Albträumen geplagt aus dem Bürgerkrieg heim. Sein Vater ist tot, seine Mutter inzwischen mit Onkel Claudio (Horst Frank) verheiratet, und seine Verlobte hat sich von ihm abgewandt. Als er erfährt, dass sein Vater ermordet wurde, sinnt er auf Rache. Bereits in diesem Frühwerk lässt Castellari sein ganzes Können aufblitzen. Wie später in „Keoma“ (1976) durchbrechen symbolische Traumbilder die Realität, virtuose Kamerafahrten und Zooms wechseln mit knalligen Showeffekten. Francesco De Masis Titelsong „Find a Man“ ist unerreicht.

Montag, 20. September 2010 um 21.30 im BABYLON
DER ANTICHRIST / DIE SCHWARZE MESSE DER DÄMONEN (L’ANTICRISTO)
Italien 1974, R: Alberto de Martino, M: Ennio Morricone, Bruno Nicolai, K: Joe D’Amato, D: Carla Gravina, Mel Ferrer, Arthur Kennedy, Umberto Orsini, Alida Valli, deutsche Fassung, 35mm, 112 Min.
Eine junge Frau aus dem italienischen Hochadel, die gelähmt im Rollstuhl sitzt, entwickelt übersinnliche Kräfte, gibt mit tiefer Männerstimme Obszönitäten von sich und beginnt ihre Umwelt zu terrorisieren. Ein Mönch wird bestellt, um den Teufel auszutreiben. Schon 1974 war jedem klar, dass es sich hier um ein Plagiat von William Friedkins Kassenknüller „Der Exorzist“ (1973) handelte. Doch wie die anderen glorreichen Bastarde unserer Reihe, die nichts als pures Kino und großes Spektakel sind, ist auch „Der Antichrist“ ein sehr gelungenes Plagiat: Zielstrebiger als die Vorlage, greller in seinen Schreckensvisionen und unverschämter im Umgang mit religiöser Bigotterie, Aberglauben und sexueller Lust. Mit dabei die Hollywood-Eminenzen Mel Ferrer und Arthur Kennedy, die hier erstmals seit Fritz Langs Westernmelo „Rancho Notorious“ (1952) wieder zusammen spielen. Dazu fette Orgelklänge von Morricone.

Montag, 27. September 2010 um 21.30 im BABYLON
FIREFLASH – DER TAG NACH DEM ENDE (2019: DOPO LA CADUTA DI NEW YORK)
Italien/Frankreich 1982, Regie: Sergio Martino, M: Guido & Maurizio De Angelis; D: Michael Sopkiw, Roman Geer, Edmund Purdom, George Eastman. 35mm. Deutsche Fassung.
In ferner Zukunft ist die Erde verwüstet, und die Menschheit droht auszusterben. Unter den Menschen geht ein Gerücht um, das Hoffnung macht: In den Ruinen von Manhattan soll es eine letzte gebärfähige Frau geben. Parzival betritt die todgeweihte Stadt und steht Gangs, Mutanten und Killerkommandos gegenüber. Seine blutige Mission beginnt. Der Regisseur Sergio Martino, dessen Bruder den Film produzierte, leistet ganze Arbeit: Sein Mix diverser amerikanischer Vorbilder von John Carpenter bis Ridley Scott bildet den Höhepunkt der Italo-Endzeitwelle. „Fireflash“ steckt voller skurriler Einfälle und comichafter Figuren, bedient sich freimütig in Grimms Märchenbüchern und hüllt sein düsteres Weltbild in Visionen brutaler Gewalt. Obwohl italienische Genrefilme am Fließband gedreht wurden, standen oftmals dieselben Leuten hinter und vor der Kamera. Der Schauspieler George Eastman, der auch am Drehbuch von „Keoma“ (1976) mitgeschrieben hatte, tobt hier als Anführer einer fiesen Affengang durch Manhattan. Mit von der Partie auch die Brüder De Angelis, die neben dem opernhaften Score für „Keoma“ auch für die Musik mehrerer anderer Castellari-Filme zuständig waren.

11. Mai 2010

The Diabolical Dr. Z.




Morgen, am 12. Mai, läuft bei den "Freunden des schrägen Films" im Kino Babylon/Mitte anlässlich Jess Francos 80. Geburtstag dessen ziemlich großartig pulpiges Frühwerk The Diabolical Dr. Z, der in mancherlei Hinsicht seinen späteren Sie tötete in Ekstase (über den Co-Überbauarbeiter Lukas hier einige Zeilen geschrieben hat) vorweg nimmt. Dr Z ist zwar glasklar ein B-Movie, aber ein extrem stylishes mit vielen schönen Spielereien, einem sehr entrückten Soundtrack und seltsamen Orson-Welles-Reverenzen.

(dass ich der Vorführung eine kleine, zehnminütige Einführung voranstelle, sei ebenfalls nicht unerwähnt)



2. Mai 2010

L'Ossessa - Das Omen des Bösen.


Am Mittwoch, 05. Mai, bietet sich im Kino Babylon/Mitte um 21:30 die Möglichkeit, die spezifisch italienische Form der appropriation an konkretem Material zu studieren. Gezeigt wird L'Ossessa - Das Omen des Bösen, ein 1974 unmittelbar im Anschluss an Friedkins Okkultismusblockbuster Der Exorzist gedrehter Rip-Off, der in den USA dann auch gleich unter dem Titel The Sexorcist in die Kinos gebracht wurde.

Aus dem Programmtext:

Die schöne Kunststudentin Daniela (Stella Carnacina) rettet zusammen mit ihrem Professor religiöse Skulpturen aus einer alten Kirche, die zum Abriss freigegeben ist. Zunächst rekonstruiert sie ein Kruzifix, das einen der Diebe zeigt, die bekanntlich neben Jesus hingerichtet wurden. Als dann plötzlich der Mann (Ivan Rassimov) vom Kreuz herabsteigt, sich aller Kleider entledigt und von Daniela Besitz ergreift, ist ein Exorzismus fällig. Schlimm, schlüpfrig, gory.

Ein imdb-Kommentator empfiehlt: "By no means is this movie good, but it sure is entertaining!It makes no sense at all, but never slows down to allow you to contemplate its sheer absurdity."

21. April 2010

Freunde des schrägen Films: Der Fluch der schwarzen Schwestern.

Heute abend bietet sich im Kino Babylon die seltene Möglichkeit, einen Film des Sexploitation-Auteurs Joseph W. Sarno im Kino zu sehen: Der Fluch der schwarzen Schwestern ist ein in Europa entstandener Vampir/Sexploitation-Streifen, für den, laut Programmtext, Jess Franco und Jean Rollin Pate gestanden haben könnten.

Hier der Trailer:

23. Februar 2010

Freunde des schrägen Films: Blood Beach.


Morgen abend um 21.30 läuft bei den "Freunden des schrägen Films" im mittigen Kino Babylon der 80er Reißer Blood Beach, über den Brooklyn Rail schreibt:

Widely regarded as the Citizen Cane of “Keller who lives beneath the sand” movies, Blood Beach stars John Saxton as- strangely enough- a sheriff. Somehow a deranged, deformed killer has managed to take up residence beneath the sand of a booming beach. How this is possible is never really explained. Suffice it to say that he pulls unsuspecting bikini clad teens under the sand to his lair where he proceeds to dismember them. This is the beach horror movie as high concept. It has the premise of Jaws, but instead of the shark it’s a dude, and instead of the danger being under water, the danger is under the sand. This guy fucks you up before Jaws ever gets a chance to.




9. Februar 2010

Freunde des schrägen Films: The Crazies


Die "Freunde des schrägen Films" zeigen morgen abend, am 10.02., im Babylon/Mitte George A. Romeros sehr empfehlenswerten The Crazies als nachgereichten Geburtstagsgruß an den Regisseur, der am 04. Februar 70 Jahre alt wurde (siehe auch hier). Gerade bei diesem Film, dessen fahrig-nervöser, oft kaum verständlicher Originalton wichtiges stilistisches Gestaltungsmittel ist, ist es zwar schade, dass er nur synchronisiert läuft, aber immerhin. Auch von einer Synchro nicht tot zu kriegen ist die hektisch rasante Montage, ein Albtraum für jeden Schnittzähler Bordwell'scher Schule.

Ein Hollywood-Remake ist für den April angekündigt.



In Sachen "Freunde des schrägen Films": Im Tagesspiegel gab es vor kurzem eine (wenngleich weitgehend mäßig gelungene) Reportage.

31. Januar 2010

Freunde des schrägen Films: Squirm!




Am kommenden Mittwoch beginnt im Babylon/Mitte die neue Staffel der aus der Berliner Kinolandschaft nicht mehr wegzudenkenden "Freunde des schrägen Films", die nach einer ausführlichen Reise durch die allerdings nicht ganz so grelle Welt der französischen Polizeifilme nun wieder den richtig klebrigen, versalzenen Stoff aus den Autokinos kredenzen: Unter dem Titel "American Monster" sind für die nächsten Wochen (immer Mittwochs ab 21:30) Schleimereien, Ghoule, Reptilien und Absonderlichkeiten aus dem amerikanischen Kino der 50er bis 80er Jahre angekündigt.

Wurmstichig geht's im Auftakt des Reigens zu: Squirm - Invasion der Bestien von 1975, bei dessen Produktion ein damals noch unbekannter Rick Baker für die Makeup-Effekte verantwortlich zeichnete. Über Umwege (Star Wars, Joe Dante, John Landis, Cronenberg) landete Baker im Herzen der heutigen Industrie (Tropic Thunder, Hellboy 2, X-Men, etc.) und dürfte dabei das Aussehen des phantastischen Films der letzten 30 Jahre maßgeblich beeinflusst haben.

Weitere Informationen zum Film gibt's nebenan beim Geheimnisvollen Filmclub Buio Omega.



2. September 2009

Heute: Basket Case.

Wem nach dem Fantasy Filmfest weiterhin der Sinn nach derben Geschmacklosigkeiten steht, könnte heute abend im mittigen Kino Babylon glückliche 90 Minuten verleben. Die Freunde des schrägen Films haben sich erneut todesmutig mit Petroleumlampe und Staubwedel in den modrigen Keller der Filmgeschichte begeben und präsentieren um 21.30 ihre diesmalige Beute: Basket Case, ein kleiner Klassiker des quietschbunt-absonderlichen Latex-Horrorfilms der 80er Jahre, gewidmet dem Großpatron der Splattereien, Herschell Gordon Lewis, ein Film, für (oder, je nach Belieben des persönlichen Geschmacks, wider) den der Trailer am besten spricht.



Freilich darf an dieser Stelle der nochmalige Hinweis darauf, dass im Babylon gerade ein Arbeitskampf stattfindet, nicht fehlen. Darauf, dass manchmal - ob für Frauen oder Filme - Revolutionen verraten werden müssen, indessen auch nicht.

29. April 2009

Three the Hard Way. Babylon/Berlin.




Eine Gruppe von Neonazis wollen mit Hilfe eines ominösen Serums die schwarze Bevölkerung der USA auslöschen, aber sie haben die Rechnung ohne Jim Brown, Fred Williamson und Jim Kelly gemacht. Für den fantastischen Soundtrack wurden The Impressions engagiert, der Titelsong wirkt in dem Radio-Commercial wie eine Verheißung auf ein actiongeladenes Kinoerlebnis – und genau das ist der Streifen!
So schreibt docfish in seiner Reihe über Blaxploitation-Jingles auf dem immer wieder lesenswerten Blog Wayward Cloud über den Reißer Three the Hard Way. Und den beschriebenen Jingle kann man sich dort auch gleich anhören!

Der Film wird heute abend um 21.30 im Kino Bablyon bei den Freunden des schrägen Films im Rahmen der Reihe "Hitlers Resterampe" (siehe dazu auch hier Bert Rebhandl) gezeigt.

Ein mit Musik von Daft Punk unterlegter Clip findet sich bei unser aller liebster Urheberrechtsinstitution:



6. April 2009

Hitlers Resterampe: Spy Smasher Returns.




In der hier angekündigten (und dort von Bert Rebhandl in der Berliner Zeitung empfohlenen) Reihe Hitlers Resterampe im Babylon/Mitte läuft am kommenden Mittwochabend die in den 60er Jahren erstellte Spielfilmversion des 40er Jahre Serials Spy Smasher (im Spielfilm-Cut um ein Returns erweitert). Der Programmtext der Freunde des schrägen Films:

Mit allen Mitteln wollen die Nazis Amerika zerstören. Ihr diabolischer Agent „The Mask“ lässt das Land mit Falschgeld überfluten und Sabotageakte verüben. Sein Widersacher ist Spy Smasher. Nachdem dieser All-American Boy im besetzten Frankreich gerade erst der Hinrichtung durch die Nazis entgangen ist, tritt er nun zum Kampf gegen die Mächte des Bösen an. Basierend auf einem Superhelden-Comic schuf das Poverty Row-Studio Republic mit „Spy smasher“ eines der erfolgreichsten und besten Serials überhaupt: actiongeladen, temporeich und voller atemberaubender Cliffhanger. Sein heute vergessener Regisseur war der ungeheuer produktive William Witney, den Quentin Tarantino als den „Howard Hawks des B-Films“ verehrt.

Eine Einführung gibt's vom Filmhistoriker Rolf Giesen.

26. März 2009

Hitlers Resterampe im Babylon: Zombies, Nazis, schlechte Laune.




Besonders schräge Entdeckungen aus den Höhlen (nicht nur) des Exploitationsfilms sind ab 01.04. jeden Mittwochabend bei den "Freunden des schrägen Films", der festen B-Movie-Institution des Babylon/Mitte, zu machen: Unter der Überschrift "Hitlers Resterampe" forschen die beiden Historiker Philipp Stiasny und Jürgen Dittrich passend zu diversen aktuellen Eklats zum untoten Weiterleben der Nazis in Populär-, Trash- und Filmkultur. Und das Programm kann sich durchaus sehen lassen.

Bereits der erste Termin am 01.04.2009 bringt zwei wahre Schmankerl: Als Vorfilm gibt es Don Siegels Kurzdokumentation Hitler lives, danach läuft mit Shock Waves der große filmische Übervater des Nazizombie-Subgenres aus den spätern 70er Jahren, in dem der untote Schrecken einmal mehr auf einer fernen tropischen Insel auf arglos vorbeipaddelnde Touristen wartet. Mitten drin macht mit Peter Cushing ein alter Gentleman des Horrorfilms ernste Miene zum bösen Spiel, das allerdings recht zahm daherkommt (DVD-Freigabe: ab 16). Ein insgesamt auch auf Grund seines entrückten Synthie-Soundtracks wunderbar schräger und natürlich rundum empfehlenswerter Genrefilm, dessen knarzigen deutschen Trailer wir dem geneigten Publikum keineswegs vorenthalten wollen:



Weitere Highlights der Reihe, die man sich vormerken sollte: Der infame erste Ilsa-Film, der, laut Wayward Cloud, ziemlich actiongeladene Blaxploitation-Knaller Three the Hard Way, der murksig-gurkige Hard Rock Zombies, der Tinto-Brassige Bordellfilm Salon Kitty und noch einige mehr. Spätestens hier im Überbau dann kurz vorher als Reminder!




1. März 2009

Dr. Jekyll & Sister Hyde im Babylon.



Die Freunde des schrägen Films zeigen in ihrer Filmreihe "Hammerfrauen" am kommenden Mittwoch Dr. Jekyll and Sister Hyde, der wohl schon auf Grund seiner Genderthematik reizvoll sein sollte. Regisseur Roy Ward Baker ist mir zumindest als Routinier bekannt: Für Hammer legte er Quatermass and the Pit vor, arbeitete später eine Weile fürs Fernsehen (Avengers) und drehte dann wechselweise für Hammer und für Amicus (ein kleines Konkurrenzstudio zu den großen Hammers, über dessen Geschichte im Guardian letztens ein Artikel stand).

Der Programmtext klärt auf:
Dr. Jekyll will das ewige Leben. Da Frauen bekanntlich mehr davon haben, experimentiert er mit weiblichen Hormonen. Zunächst an einer Fliege. Es funktioniert. Sein Versuchsobjekt ändert das Geschlecht, und Dr. Jekyll testet die Hormone an sich selbst. Auch das erfolgreich: Wieder und wieder verwandelt er sich in die schöne Mrs. Hyde. Als sich dann die Tochter des Vermieters in Dr. Jekyll verliebt, beginnt die Frau im Mann eine grausame Revolte. Hammer variiert in den 70er Jahren sehr geschickt alte Stoffe und Vorbilder. Regisseur Roy Ward Baker gelingt es, das Nachwuchstalent Ralph Bates und das Bond-Girl Martine Beswick zu zwei Seiten einer Medaille zu machen und den ewigen Zweikampf zwischen Gut und Böse in das moderne Drama zwischen Mann und Frau zu verkehren. Einer der besten Hammer-Filme überhaupt.
Wer möchte, erfreut sich an einer kleinen Szene aus dem Film, den Rest gibt's am 04.03.2009 um 22 Uhr im Babylon/Mitte.



7. Januar 2009

Hammerfrauen im Babylon


Die Freunde des schrägen Films präsentieren heute den ersten Film ihrer neuen Staffel. Wieder einmal geht es um die feminineren Aspekte des Exploitationfilms. Gezeigt werden in der Reihe Hammerfrauen zwar nicht nur Filme der legendären Hammer-Studios, aber doch größtenteils britische Produktionen (zweimal Pakistan und einmal d'Amato sind auch mit von der Partie). Der Eröffnungsfilm stammt aus dem Jahr 1972 und hört auf die Namen Death Line, Raw Meat oder auch Tunnel der lebenden Leichen. Inszeniert hat ihn Gary Sherman, dessen neun Jahre später entstandener Dead & Buried mir vor Jahren sehr zugesagt hat.

13. Dezember 2008

Stuart Gordons Dolls im Babylon.

Nach Abschluss der ereignisreichen Mexploitation-Reihe und vor der verdienten Weihnachts-/Silvesterpause machen sich die Freunde des schrägen Films im Kino Babylon/Mitte am kommenden Mittwoch um 22 Uhr ein kleines Geschenk und zeigen reihenunabhängig als eigenen Wunschfilm Stuart Gordons 1987 entstandenen Dolls. Die Vorführung von Gordons zuvor entstandener (äußerst freien) Lovecraft-Adaption From Beyond zählte (neben der des rundum unglaublichen Starcrash) mit zu den spaßigsten des laufenden Schräge-Filme-Jahrs im Babylon, auf ausgelassene Heiterkeit darf sich also eingestellt werden. Der Programmtext:

Eine Horrorfantasie: In einer stürmischen Nacht strandet die Familie der kleinen Judy im märchenhaften Haus eines Puppenmachers, wo zu später Stunde die Puppen lebendig werden und sich gar unartig aufführen. Es geht ziemlich blutig zu. Dem bereits eingespielten Team um Stuart Gordon und Brian Yuzna machte die Arbeit an „Dolls“ ganz offensichtlich viel Spaß, denn ihnen gelang ein kleines Meisterwerk. Stimmung, tolle Special Effects, Splatter, tiefschwarzer Humor. Das Richtige für einen ungemütlichen Winterabend.



Im übrigen lässt sich bereits leise ankündigen, dass es nach dem Jahreswechsel bei den "Freunden" recht britisch zugehen wird ...

3. Dezember 2008

El Santo contra los amigos de peliculas curiosas

Eine wenngleich nicht hofierte, aber nicht mehr wegzudenkende Institution in der Berliner Kinolandschaft stellen die Vorführungen der Freunde des schrägen Films (dahinter stecken zwei Filmhistoriker aus dem CineGraph-Umfeld) im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz dar. Gezeigt wird Exploitationware, Filme also, die ihren festen Platz in der Filmgeschichte zwar haben (und unter dem Rubrum "Para-Cinema" auch zusehends von den Film Studies aufgearbeitet werden), von den für diese zuständigen Institutionen in der Regel aber nur selten wahrgenommen werden. Jeden Mittwoch um 22 Uhr (oft mit akademischen Viertel, aber gerade im Winter gemahnen die Filmfreunde zur Pünktlichkeit) erstrahlen die Exploitation-Machwerke hier wieder in alter Brillanz - original von Filmkopie (der man dann manche Altersspur gerne auch mal nachsieht). Was man hier zu sehen bekommt, ist mal von delirantem Wahnwitz, mal inhaltlich kontrovers, mal einfach nur gut gemachtes Genrekino, gelegentlich nicht von dieser Welt, dann und wann todlangweilig - aber nie herkömmlich abgehangene Kost.

Die Filme sind thematisch zusammengestellt. Derzeit befinden sich die Freunde des schrägen Films auf einer Exkursion durch mexikanisches Hinterland und haben dabei schon manche kleine Perle zurück ans Tageslicht geholt. Der buchstäblich Säulenheilige des mexikanischen Genrekinos wird heute abend erwartet: Santo, der maskierte Wrestler, in Mexiko eine popkulturelle Überfigur, die sich zu Glanzzeiten in ratzfatz runtergekurbelten Filmen mit dem gesammelten Halbwesen-Ensemble des Horrorkinos angelegt und dabei wahlweise junge Frauen oder gleich die ganze Welt gerettet hat.

Der heute gezeigte El santo contra las mujeres vampiro ist nicht direkt der beste Film aus diesem Dutzend-Arsenal, weist aber einige schöne Momente und viel Spinnweben-Kolorit auf. Die Freunde selbst:

Der Wrestler Santo, der Mann mit der silbernen Maske, bekommt es mit einer Bande weiblicher Vampire zu tun. Sie wollen die Tochter eines Professors entführen und das noch unschuldige Mädchen mit dem Herrn der Finsternis verheiraten. Santo muss das verhindern. Filme über die Lucha Libre, die mythisch verehrten ringenden Freiheitskämpfer für das Gute, entstehen in Mexiko seit den 50er Jahren zu Dutzenden. Sie laufen im Kino und im Fernsehen. „Supermann gegen Vampire“ ist einer der schönsten davon. Alles dreht sich hier um Santo, den berühmtesten aller Wrestler, den zu Lebzeiten eine beinahe religiöse Aura umgab. Ein sonderbarer, entfernt mit Batman verwandter Volksheld, der jahrzehntelang seine Maske nicht mehr abnahm. Wir zeigen die Münchner Fassung dieses Klassikers.
Der Trailer bietet erste Einblicke: