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9. Juni 2012

Allons enfants... pour l'Algérie

Montag Abend zeichne ich anläßlich des Jahrestags der algerischen Unabhängigkeit von Frankreich im Juli für ein Dokfilm-Programm im Arsenal verantwortlich. In der Reihe FilmDokument von CineGraph Babelsberg gibt es dieses Mal eine Doku vom DDR-Chefdokumentaristen Karl Gass. Die ist als Dokument eines offiziellen Internationalismus der DDR ziemlich beachtlich. Hier der Ankündigungstext:
Dass im Algerienkrieg tausende Westdeutsche auf französischer Seite kämpften, verblüfft aus heutiger Sicht, war aber über mehrere Jahre hinweg Gegenstand einer Auseinandersetzung zwischen den beiden deutschen Staaten. Karl Gass' ALLONS ENFANTS... POUR L'ALGÉRIE (DDR, 1961) stellt anhand der Anwerbung von Söldnern für den Algerienkrieg die Verbindung zwischen einem scheinbar weit entfernten Konflikt und der deutschen Gegenwart der 1960er Jahre her. Dabei überrascht auch der Ton, den der Film anschlägt: während die meisten Agitationsfilme zum Algerienkrieg den bewaffneten Kampf der FLN, der Nationalen Befreiungsfront, in heroisierender Weise zeigen, kombiniert Gass das Thema der deutschen Söldner mit dem Porträt einer Frau aus den Reihen der FLN und zeigt deren alltäglichen Kampf.
Arsenal 2, 11.6., 19h.

7. Dezember 2008

Kino Arsenal: Snuff.

UPDATE: Der Film entfällt leider, wird jedoch durch einen ähnlich interessanten Streifen mit vergleichbarer Thematik ersetzt. Näheres im Kommentarbereich.

Morgen, am Montag, um 19 Uhr zeigt Cinegraph Babelsberg im Rahmen der FilmDokument-Reihe Richard R. Rimmels in der imdb nicht verzeichneten, offenbar der Mondo-Tradition zuzurechnenden (Pseudo-)Dokumentarfilm Snuff im Arsenal. In drei Jahren Produktionszeit und mit Unterstützung zahlreicher Intellektueller entstand in den mittleren 70ern ein mutmaßlich exploitatives, seinerzeit kontroverses Portrait der Produktions- und Arbeitsbedingungen des damals florierenden deutschen Softsexfilms. Der Programmtext:

Die 70er Jahre sind in Deutschland die große Zeit der Sexfilme. Sie werden zu Dutzenden heruntergekurbelt, versprechen nackte Haut und geben sich tabulos. Aufgerüttelt durch den Freitod der Darstellerin Claudia Fielers blickt SNUFF (Richard R. Rimmel, BRD 1973–1976) hinter die Kulissen einer Sexfilmproduktion: Er beobachtet die Auswahl der Mädchen, zeigt, wie Menschen entwürdigt werden, und hört dem lamentierenden Regisseur Robert Furch zu, der lieber andere Filme drehen würde. Mit abgründigem Humor klagt SNUFF die industriell betriebene Ausschlachtung junger Frauenkörper, finanzieller Zwänge und falscher Hoffnungen an. "Auch wenn sein moralischer Zeigefinger (Kommentar: Carl Amery) gelegentlich übertrieben scheint, bleibt SNUFF eine Herausforderung: eine brutale, intelligente Reportage mit Raum zur Reflexion." (SZ, 8.12.1978)

Die Einführung besorgt der Filmhistoriker Philip Stiasny, der im Babylon auch die "Schrägen Film" mitorganisiert. In den Online-Archiven der Zeit gibt es zwei zeitgenössische Artikel über den Film: Aus der Porno-Maschinerie (1976) und Kinostart für Snuff (1978!). Auch der Spiegel berichtete dereinst.

Ein bewegtes und für die damalige deutsche Filmindustrie wohl auch bezeichnendes (Berufs-)Leben führte Regisseur Rimmel. Als Kameraassistent begann er bei Krautwestern mit Lex Barker und Freddy Quinn. Unter der Regie des Karl-May- und Edgar-Wallace-Veteranen Harald Reinl schoß er an der zweiten Kamera die reichlich obskure, von Peter Thomas mit swingendem Sound unterlegte Erich-von-Däniken-Verfilmung Erinnerungen an die Zukunft, um schließlich als Kameramann, Produzent und Regisseur dem deutschen Softsexfilm zur Seite zu stehen. (eine umgekehrte Bewegung machte im übrigen die deutsch-österreichische Produktionsgesellschaft Lisa Film: In den 70ern für derbe und anrüchige Ware zuständig, landete sie über den deutschen Blödelfilm der 80er wieder beim deutschen Biedersinn vom Schloss am Wörthersee.)