31. Januar 2010

Freunde des schrägen Films: Squirm!




Am kommenden Mittwoch beginnt im Babylon/Mitte die neue Staffel der aus der Berliner Kinolandschaft nicht mehr wegzudenkenden "Freunde des schrägen Films", die nach einer ausführlichen Reise durch die allerdings nicht ganz so grelle Welt der französischen Polizeifilme nun wieder den richtig klebrigen, versalzenen Stoff aus den Autokinos kredenzen: Unter dem Titel "American Monster" sind für die nächsten Wochen (immer Mittwochs ab 21:30) Schleimereien, Ghoule, Reptilien und Absonderlichkeiten aus dem amerikanischen Kino der 50er bis 80er Jahre angekündigt.

Wurmstichig geht's im Auftakt des Reigens zu: Squirm - Invasion der Bestien von 1975, bei dessen Produktion ein damals noch unbekannter Rick Baker für die Makeup-Effekte verantwortlich zeichnete. Über Umwege (Star Wars, Joe Dante, John Landis, Cronenberg) landete Baker im Herzen der heutigen Industrie (Tropic Thunder, Hellboy 2, X-Men, etc.) und dürfte dabei das Aussehen des phantastischen Films der letzten 30 Jahre maßgeblich beeinflusst haben.

Weitere Informationen zum Film gibt's nebenan beim Geheimnisvollen Filmclub Buio Omega.



Kommentare:

Michael hat gesagt…

Auch als Freund schräger Filme möchte ich Euch bitten die Arbeitsbedingungen im Sweatshop
Babylon nicht unerwähnt zu lassen. Sehr gut finde ich eure Verlinkung auf das Blog einiger Babylon-Angestellter. Wenn ihr einerseits für Filmreihen im Babylon werbt, andererseits "Babylon Mitte: Streik!" titelt, könntet ihr das erläutern. Ich denke auch die Veranstalter der Schrägen Filme sind nicht immer zufrieden mit den dortigen Verhältnissen. Vielleicht haben sie sonst nirgendo die Möglichkeit ihr Programm als kommunales Kino zu finanzieren. Fragt doch mal nach, würde mich interessieren und gehört auch auf euere erstklassigen Seiten zu "Film und Anverwandtem aus Berlin".
Beste Grüße,
Micha

Lukas Foerster hat gesagt…

Thomas wird vielleicht auch noch etwas sagen, aber da ich hier ebenfalls Veranstaltungen im Babylon angekündigt / kommentiert (ich würde nicht unbedingt sagen: beworben habe), dazu auch von mir ein paar Worte: Wir haben hier in mehreren Posts auf die Entwicklungen in dieser Geschichte hingewiesen, insbesondere auf den inzwischen gerichtlich untersagten Boykottaufruf im letzten Sommer. Seither verlinken wir auch links im Blog nicht mehr die Babylon-Homepage, sondern das erwähnte prekba-Blog. Zumindest ich bin dafür, dass das bis auf weiteres auch so bleibt.
Ich denke aber nicht, dass daraus folgen muss, Veranstaltungen im Babylon entweder ganz zu ignorieren oder stets mit einem Verweis auf die Arbeitsbedingungen zu versehen. Die beiden "Freunde des schrägen Films" investieren seit Jahren sehr viel (und, alles andere würde mich wundern, unbezahlte) Arbeit in ihre Reihe. Ähnliches gilt für den mir persönlich bekannten Mitarbeiter, der unter anderem die sehr schöne "Unknown Pleasures"-Reihe im letzten Monat fast im Alleingang auf die Beine gestellt hat. Wir möchten (oder zumindest: ich möchte) diese Leute nicht in Sippenhaft nehmen. Dass auch die Babylon-Geschäftsführung vom Erfolg ihrer Projekte profitiert, ist mir natürlich klar. Die Auslagerung der eigentlich von ordentlich angestellten Kinomitarbeitern zu leistenden kuratorischen Arbeit an un- beziehungsweise unterbezahlte Outsider ist Firmenpolitik und - mindestens - Teil des Problems. Diese Probleme sind allerdings nun mal Teil der Verhältnisse, die man nicht unbedingt vorbehaltlos akzeptieren muss, wenn man hier ein paar freundliche Zeilen über amerikanische Monsterfilme schreibt.

Michael hat gesagt…

Genau richtig! Vorbehaltlos akzepieren muss man nicht, daß im Babylon Mitte von ex- oder internen Leuten un- oder unterbezahlt Hervorragendes geleistet wird, während die Geschäftsführung offenbar einen guten Teil der Senatsgelder für Privatkriege gegen Mitarbeiter und ex-Geschäftspartner ausgibt.
Natürlich soll hier die kuratorische Arbeit die z. B. hinter dem Schrägen Film oder den Unknown Pleasures steckt, erwähnt und auch beworben werden. Aber muss ein engagiertes Portal für das Berliner Kino diese Leistungen auch über eine lobende Erwähnung hinaus unterstützen? Ich meine schon. Z. B. durch eine Kritik an den Umständen unter denen diese Arbeit entsteht - die schon so Manchen auf Dauer die Lust an der Programmgestaltung verdorben hat.

thomas hat gesagt…

"Unerwähnt" blieb hier gar nichts. Bevor hier also Bitten, nichts unerwähnt zu lassen, geäußert werden, möchte ich zunächst darum bitten, sich vorab schlau zu machen.

Ich habe zahlreiche Pressemitteilungen der FAU im Volltext ins Blog gestellt. Andere Autoren haben auf Veranstaltungen und Proteste hingewiesen. Der Arbeitskampf im Babylon wurde hier im Blog regelmäßig und mit klarer Schlagseite dokumentiert.

Minutiös nachzulesen hier:
http://ueberbau.blogspot.com/search/label/Arbeitsrecht

Ich habe im Zuge dessen auch eine Zeitlang Hinweise aufs Babylon-Programm unterlassen, bin aber schlussendlich, genau wie Lukas, der Ansicht, dass man die dort freiberuflich und ehrenamtlich tätigen Kuratoren nicht für etwas "bestrafen" sollte, wofür sie nichts können. Hinzu kommt (was mich bei diesem Arbeitskampf im übrigen auch immer leicht befremdet hat): In kaum einem Berliner Kino herrschen nennenswert gute Arbeitsbedingungen - man würde die Kuratoren also schlussendlich nicht nur für die Verfehlungen der Geschäftsführung bestrafen, sondern dafür, dass sie das "Pech" hatten, dass sich der Arbeitskampf genau dieses Kino ausgesucht hat.

Folgerichtig halte ich es auch für albern unter jeden Programmhinweis (und es sind Programmhinweise, keine Werbung - wir erhalten kein Geld von irgendwem!) eine ablasshandelförmige Notiz fürs eigene gute Gewissen zu setzen, dass das Babylon ein "Sweatshop" sei (zahlreiche Kinder, Jugendliche und Prekarisierte an der globalen Peripherie bedanken sich übrigens für diese Relativierung: Wer 7 Tage die Woche 15 Stunden in einer überhitzten Industriehalle Nike-Schuhe klebt mag am Ende vielleicht doch befremdet darüber sein, dass es Berliner Kinovorführern ähnlich übel gehen soll).

Fernerhin: Ich halte nicht viel von einer Logik der punktuellen Kritik, die sich dann aber an diesem Punkt besonders konsequent und radikal artikuliert. Kritikwürdig ist nicht im Einzelnen das Babylon, sondern im Gesamten die gesellschaftliche Situation, in der sich eben auch das Kino ganz allgemein befindet. Eine profunde Kapitalismuskritik, der es ums Ganze geht, ist hier nötig, nicht ein an einem einzelnen Brennpunkt sich verausgabender agitatorischer Aktionismus. Oder kurz gesagt: Ausbeutung und Betrug sind Grundkonstanten jedweden gesellschaftlich-produktiven Auftretens unter den gegenwärtigen Bedingungen. Eine Kritik müsste sich an dieser Konstante orientieren - jegliche punktuelle Kritik stellt im dialektischen Umkehrschluss doch nur heraus, dass es überall anders eben "nicht so schlimm" ist.

Anders gesagt: In Kino XYZ, dessen Veranstaltungen wir empfehlen, sind die Arbeitsbedingungen womöglich keinen Deut besser. Bei diesen Hinweisen meldet sich aber keiner und sagt: "Hey, Moment Mal, es sollte doch wohl nicht unerwähnt bleiben, dass..." Wie erklärt man dies den Mitarbeitern dort?

Grüße
Tjomas

orcival hat gesagt…

Mmh,
auch auf die Gefahr hin, dass nun langsam die Autoren des Blogs hier nur unter sich diskutieren, aber: mir ist erstmal nicht bekannt, dass jenseits von Bezahlung in anderen Kinos Verhältnisse wie im Babylon herrschen würden.
Dass die ganze Kino- und Filmgeschichte nichts ist, womit in nächster Zeit Reichtum zu erwarten wäre (so mensch diesen denn erstrebt) nun gut, aber Politiken der gezielten Gewerkschaftsbekämpfung und des persönlichen Mobbings sind zumindest mir erstmal nicht von woanders in solchen Ausmassen bekannt.

Was aber an der Legitimität der Hinweise so nichts ändert und auch, dass das nicht immer wiederholt werden muss.