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5. Juni 2012

Trinh T. Minh-ha im Arsenal

Bevor es zu spät ist, doch noch ein kurzer Hinweis: Die amerikanische Filmemacherin und Filmtheoretikerin Trinh T. Minh-ha zeigt derzeit ihre Filme im Arsenal. Ich kenne bisher nur Surname Viet Given Name Nam, der ist ein veritables Meisterwerk (lief allerdings gleich zum Auftakt). Heute abend wird der dreistündige Naked Spaces - Living is Round gezeigt, ein in Afrika entstandener Film.

Komplett auf Youtube eingestellt ist ihr erster mittellanger Film Reassemblage:

26. Februar 2011

Werkstatt der Kulturen: Anti-kolonialer Widerstand im Film

Im Rahmen der Veranstaltungen des Black History Month präsentiert Hakim El-Hachoumi heute, 26.2. um 17h einen Abend unter dem vielversprechenden Titel "Anti-kolonialer Widerstand im Film".

Man darf gespannt sein, was da genau passiert. Leider ist dem Ankündigungstext nicht zu entnehmen, um welche Filme es gehen soll. Aber interessant wird es sicher.

PS: Kann mir wer erklären, warum die Werkstatt unter Postkolonialismus ihre Vergaberichtlinien verlinkt???

4. Mai 2010

Raphael Grisey und Bouba Touré im Arsenal

Am Freitag zeigt das Arsenal im Rahmen der Reihe Archiv möglicher Zukunft eine sehenswerte Arbeit des jungen französischen Filmemachers Raphael Grisey (mit dem ich, das sei hiermit offengelegt, bekannt bin). Cooperative ist experimenteller Dokumentarfilm im Splitscreen-Format über eine agrarische Genossenschaft in Mali, die in den 1970er Jahren von einer Gruppe afrikanischer Rückkehrer gegründet wurde. Von Anbeginn vermischten sich existenzielle mit politischen Beweggründen: Die Emigration nach Frankreich war für viele in die Sackgasse des Lohnsklaventums gemündet, das Versprechen von „Françafrique“ hatte an Zugkraft eingebüßt. Infolge kehrten die Begründer der Kooperative nicht nur dem offiziellen Frankreich, sondern auch dem Marxismus-Leninismus der französischen radikalen Linken den Rücken, worin sie eine vorübergehende Heimat gefunden hatten.



















Grisey macht interessanten Gebrauch vom Splitscreen: Keine einzelne Logik zieht sich durch die Anordnung der beiden Bildschirmflächen, sondern es verbindet oder trennt sie eine Vielzahl beweglicher Scharniere. Zwei Kameras, die auf den selben Gegenstand gerichtet sind, finden sich ebenso wie weit auseinander liegende Sujets, räumlich und zeitlich. Manchmal scheint die Verbindung ihre Inspiration aus rein piktorialen Erwägungen zu ziehen, etwas wenn links eine Tonne zu sehen ist, aus der ein Mädchen Bücher fischt, und rechts – vermutlich – der Schacht eines Brunnens. Beide Sujets in Draufsicht ähneln einander, und wenn das Mädchen die Titel der Bücher laut entziffert, hallt ihre Stimme, als säße sie am Grund des Brunnens. An anderer Stelle geht es um das globalisierte Nebeneinander des Inkommensurablen: Das Bild einer Gruppe afrikanischer Landarbeiter auf dem Weg zum Feld und jenes französischer Gewerkschafter (CGT) beim Protestmarsch durch eine Pariser Allee ähneln einander im Bewegungsvektor und dessen Mitvollzug durch die im Schnitt synchronisierten Kameraschwenks, ohne dass sich daraus weitere Ähnlichkeiten, und daran anschließend Thesen etc., ergäben.

Der Film navigiert – anhand mehrerer Erzählstimmen, die nicht immer klar zuordenbar sind – zwischen berichteter (und selten über Fotografien vermittelter) Vergangenheit und der Gegenwart der Dreharbeiten in Paris und Mali. Die Kooperative existiert immer noch, Bouba Touré, einer ihrer Gründerväter, zieht es trotzdem vor, in Paris zu leben. Flankierend wird Tourés 58 rue Trousseau, 75011 Paris, France gezeigt, ein sehr persönliches Zeugnis der langen 1960er Jahre aus der Perspektive eines Zerrissenen. Während er die Wände seiner Pariser Wohnung, die mit Fotos, Zeitungsausschnitten und anderen Zeitdokumenten zugepflastert ist, mit einer Digicam abfilmt, beschwört er Namen, Ereignisse und Lehren aus den politischen Kämpfen jener Zeit: Wie Tourés Duktus einzelne Satzteile in rhythmischer Wiederholung zu mahnenden Slogans ausgestaltet, entfaltet einen mindestens ebenso hypnotischen Sog wie die emphatische Erzählstimme aus den Filmtagebüchern von Jonas Mekas.

10. Juli 2009

Buchtip: Tobias Nagl - Die unheimliche Maschine




Die Forschung zu Exotismus und Rassismus in Deutschland ist ja nicht gerade wohletabliert, wenn es um die filmische Repräsentation geht. Um so begeisterndern, dass Tobias Nagl (der wenig überraschend unterdessen in Kanada lehrt) nun mit "Die unheimliche Maschine" ein Buch vorgelegt hat, an dem man a) glücklicherweise in Zukunft nicht mehr vorbeikommt und b) das wohl eines der Bücher des Jahres ist.

Nagl untersucht vorrangig die Darstellung Schwarzer im Weimarer Kino. Daneben klingen aber natürlich auch die Bildsprache des (deutschen) Kolonialismus und die Umkämpftheit dieser Bilder an. Nach Wolfgang Fuhrmanns brillianten Untersuchungen zum deutschen Kolonialfilm, die jedoch nur teilweise veröffentlicht sind, stellt das Buch mit seinen Dimensionen eines Ziegelsteins nun einen guten, theoriegesättigten Überblick dar. Schade nur, dass man das Buch angesichts des Preises wohl eher der Bibliothek seines Vertrauens zur Anschaffung empfiehlt, als es sich selbst zu kaufen.

Tobias Nagl: Die unheimliche Maschine: Rasse und Repräsentation im Weimarer Kino, 828 Seiten, 49,- EUR