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15. April 2013

3. Nachtschicht: Akamoru - Das dunkle, wilde Begehren.

Bereits seit März kuratiere ich gemeinsam mit Bennet Togler und Philipp Stiasny im Kino Babylon/Mitte die Nachtschicht, die Nachfolgereihe der letztes Jahr zum Sommer beendeten "Freunde des schrägen Films". War deren Programm noch wöchentlich und thematisch orientiert, ist die "Nachtschicht" eine monatliche Umschau in den Archiven des randständigen Genre- und Exploitationfilms. Gezeigt werden historische Kinokopien aus Sammlerbeständen, sowie stets ein Überraschungskurzfilm. Wichtig ist uns dabei weniger die geschmackssichere Zusammenstellung kanonisierter Klassiker, sondern das lustvolle Stöbern nach kaum erschlossenem Material, das auch vom offiziellen Kinemathekenbetrieb meist nicht beachtet wird.

Am 04.Mai verlassen wir nach zwei Expeditionen ins österreichische und italienische Genrekino erstmals den europäischen Kontinent und wenden uns dem japanischen Film der 60er, genauer: dem im vergangenen Herbst bei einem Unfall ums Leben gekommenen, ewigen Kinorebell Koji Wakamatsu zu. Sein Film Akamoru - Das dunkle, wilde Begehren (1967) gehört zu den legendären Ultrararitäten aus Wakamatsus über 100 Filme umfassendem Werk. Nach unserem Kenntnisstand liegt Akamoru in keinem Homevideo-Format vor.

Wir zeigen den Film im Kino Babylon/Berlin-Mitte als historische 35mm-Kopie aus den 60ern mit der deutschen Synchro der damaligen Kinoauswertung. Selbst der gerne mal pingelige film-dienst war seinerzeit nicht völlig abgeneigt und bemerkte so anerkennend wie zurückhaltend: "Würde [Wakamatsu] einmal eine Geschichte geradlinig und diszipliniert erzählen und nicht um jeden Preis eine Schocktherapie verabreichen wollen, so müßte ihm ein bedeutender Film gelingen."

Bereits im Januar lief der Film im Nürnberger KommKino, auf dessen Programmtext ich an dieser Stelle gerne verweise.

7. April 2012

Italo-Reihe bei den "Freunden des Schrägen Films"

Wer wissen will, was Dominik Graf einst mit dem Begriff "italodynamisches Erzählen" meinte, bekommt in den nächsten Wochen in der neuen Film-Staffel der "Freunde des schrägen Films" bestes Anschauungsmaterial geliefert: Unter dem Titel "Leder, Knarren, Meuchelmörder - Italienische Thriller der 60er und 70er Jahre" läuft dort bereits seit vergangenen Montag (an dem dann auch eines der großen Highlighs bereits lief: Der Tod trägt Schwarzes Leder, ein Film über die Aufdeckung eines Kinderprostitutionsrings, der Bahnen bis in höchste Politkreise zieht, den ich schon zu lange nicht mehr gesehen habe, um den kürzlich ausgestrahlten Graf-Film Das unsichtbare Mädchen damit wirklich in Bezug bringen zu wollen, auch wenn ich mehrfach an diesen Film denken musste) eine wirklich exzellent kuratierte Reihe, die den italienischen Thriller noch bis in den Juni von seiner schönsten Seite her zeigt: Schmutzig-spekulativ einerseits, von unbedingtem Stilwillen geprägt andererseits, in der Welt der reißerischen Trivialromane ebenso beheimatet, wie er mit einem Bein im harten, realistischen Alltag des Italiens der 60er und 70er Jahre steht.

Das Programm findet man hier auf der Website des Kinos. Ganz besonders empfohlen seien Der Killer von Wien, Die Grotte der vergessenen Leichen und Der Schwanz des Skorpions (hier hatte ich dazu was geschrieben). Zum Horror-Sex im Nachtexpress werde ich eine Einführung halten, allerdings ist der Film wirklich nur ausgekochten Sleaze-Heimern und nicht unbedingt Einsteigern zu empfehlen.

2. Januar 2012

Unknown Pleasures im Babylon

Läuft schon seit gestern, aber darauf wollen wir trotzdem noch einmal nachdrücklich verweisen: die vierte Ausgabe der Us-Independent-Filmschau Unknown Pleasures, wieder kuratiert von Hannes Brühwiler, diesmal in Zusammenarbeit mit Andrew Grant. Heute 19:30 Uhr ein unbedingter Pflichtfilm: Monte Hellmans Comeback Road to Nowhere. Über einige andere Höhepunkte schreibt Bert Rebhandl im Tip. Und natürlich auch: unser Thomas in der taz.

16. Dezember 2011

Schräger Film: Die Todeskralle des grausamen Wolfes

Bei den "Freunden des schrägen Films" gibt es kommenden Montag eine kleine Änderung: Gezeigt wird Die Todeskralle des grausamen Wolfs, ein spanischer Horrorfilm von 1973 mit Paul Naschy. Wie immer als Kinokopie, wie jeden Montag um 21:30

7. Dezember 2011

Mörderschwestern im Babylon

Peter Kerns sonderbarer neuer Film Mörderschwestern feiert heute um 20:00 Uhr im Babylon seine Berlinpremiere und wird in den nächsten Tagen noch mehrmals wiederholt. In Kerns neuestem Streich wird das Publikum wiederholt aufgefordert, per "Mörderama"-Fernbedienung über das Schicksal der Filmfiguren zu entscheiden.

10. Oktober 2011

Venus in Furs

Die immer großarigen Freunde des schrägen Films zeigen seit letzter Woche eine Reihe zum spanischen Horror- und Exploitationkino. Heute läuft Jess Francos Venus in Furs. Was der Programmtext zu erwähnen vergisst: Überbau-Autor Thomas Groh hält einen Einführungsvortrag.

23. September 2011

Nordkoreanisaches Kino im Babylon Mitte

Eine recht umfangreiche Filmreihe zum Kino Nordkoreas zeigt das Babylon Mitte. Nach einer Diskussionsveranstaltung heute wird morgen mit The Wheels of Happiness (2010) eröffnet. Ich kenne bislang drei Filme aus dem Programm: A Schoolgirl's Diary, ein eher unspektakulärer Versuch, "echtes" Festivalkino zu produzieren, den sehr interessanten Martial-Arts-Film Hong Kil Dong sowie das unbedingt zu empfehlende Revolutionsmelo The Flower Girl.

9. September 2011

unheimlich vertraut - Filme vom Terror im Babylon



Am Sonntag beginnt eine von Sonja M. Schulz programmierte Filmreihe im Babyon Mitte zum Terrorismus im Kino. Schön an der Reihe ist einerseits, dass sie einen sehr weiten Raum eröffnet und den Komplex Terror auf diese Weise nicht verengt, sondern verschiedene Möglichkeiten der Annäherung zulässt. Und andererseits natürlich, dass sie einige Filme nach Berlin holt, die nur sehr schwer zugänglich sind.
Insbesondere freue ich mich auf den letzten Film der Reihe: Wang Bings erster Spielfilm The Ditch spielt in einem maoistischen Umerziehungslager während der Kulturrevolution. Los geht es aber mit einem echten Klassiker: Gillo Pontecorvos Battle of Algiers.

18. Juli 2011

Keine Empfehlung: Chaplin Complete

Die Filmreihe, die morgen im Babylon beginnt, ist die ärgerlichste des Jahres. Bert Rebhandl schreibt hier, warum. Mehr auf facebook, googleplus, twitter usw.

25. März 2011

Engel der Hölle.

Am kommenden Montag zeigen die Freunde des schrägen Films den Bikesploitation-Film Engel der Hölle. Dem Trailer nach zu urteilen kommt da eine ziemliche Schote auf uns zu. Es läuft (und man muss wohl sagen: zum Glück!) die deutsche Synchronfassung:



Der Programmtext:
Die rauen Kerle einer Rockerbande düsen mit ihren dicken Maschinen durch die Stadt und verbreiten Terror. Die Polizei hält sich zurück. Als die Biker ein junges Mädchen vergewaltigen, ruft das den Vietnam-Veteranen und Halbblut-Indianer Billie Jack auf den Plan. Er will Vergeltung. Die Mischung aus Biker-, Rachefilm und Melodram kam zur rechten Zeit. Amerika sehnte sich nach Helden, die das Gesetz selbst in die Hand nahmen und aufräumten. „Engel der Hölle“ wurde ein verstörender Hit, der eine ganze Serie von Billie Jack-Filmen hervorbrachte: Für Tom Laughlin die Rolle seines Lebens. Hollywood-Ikone Jane Russell glänzt in einer Nebenrolle.

27. November 2010

In 14 Filmen um die Welt

Gestern ist die neue Ausgabe dieses - bei allen Vorbehalten gegenüber Rahmenprogramm und Eventgelärme - verdienstvollen Minifestivals gestartet. Auf den ersten Blick sind dieses Jahr etwas weniger klangvolle Namen mit dabei, aber das muss ja nichts schlechtes sein. Heute abend läuft unter anderem Andrei Ujicas Autobiografia Lui Nicolae Ceausescu. Empfohlen sei Walhalla Rising, der zum ersten Mal morgen Abend zu sehen sein wird. Schön: Ne change rien (Pedro Costa). Ganz okay: Im Alter von Ellen (Pia Marais). Eher nicht: Dennis Cotes Curling, wobei die Tatsache, dass Thomas Arslan in den Film einführt, ein Hinweis darauf sein könnte, dass ich da falsch liege.
Ansonsten sicher lohnenswert: Of Time and the City, Silent Souls, Mundane History.

29. September 2010

Clandestí: Invisible Catalan Cinema Under Franco im Babylon

Eine interessante Filmreihe zum spanischen Untergrundkino der Sechziger und Siebziger Jahre beginnt heute im Kino Babylon Mitte. Mehr hier.

29. Juli 2010

Freunde des schrägen Films jetzt Montags

Die "Freunde des schrägen Films" kehren nach einer verlängerten WM-Pause gut erholt zurück. Geändert hat sich allerdings der Veranstaltungstag: Nicht mehr Mittwochs laufen zukünftig Perlen des abseitigeren Genrekinos (stets in tollen Zelluloidkopien) im Babylon Mitte, sondern zwei Tage vorher, jeweils Montags. Die neue Reihe "Gloriosi Bastadi" ist wieder ganz dem Italo-Wahnwitz gewidmet:

Gloriosi Bastardi. Enzo Castellari & Co.

Alle Jahre wieder berauschen wir uns an der unermesslichen Vielfalt des italienischen Genrekinos, das in seiner Glanzzeit zwischen 1966 und 1980 jährlich etwa 500 Filme auswarf. Sie alle hielten, was sie versprachen: Ungebügeltes Kino für Nächte, die kein Morgen kennen, melancholische Balladen und ungeheuren Rabatz, Gegenwelten voller Intrigen, Hässlichkeit und Verzweiflung, Schweiß und Adrenalin. Näher beschäftigt haben wir uns in unseren Reihen bereits mit italienischen Thrillern, Western und Space-Operas und besonders gerne mit dem Werk von Dario Argento.

Nun rücken wir mit Enzo G. Castellari einen Regisseur ins Zentrum, der in letzter Zeit vor allem durch Quentin Tarantinos laut bekundete Verehrung wieder bekannt geworden ist. Mit „Inglorious Basterds“ (2009) schuf Tarantino die fabelhafte Adaption eines (fast) gleichnamigen Castellari-Films und verneigte sich damit vor einer Eminenz des Actionfilms. Bei uns stehen allerdings weder Castellaris „The Inglorious Bastards“ (1978) noch seine weithin anerkannten Meisterwerke „Tote Zeugen singen nicht“ (1972) und „Keoma“ (1976) auf dem Programm; beide liefen schon bei uns. Vielmehr interessieren uns die etwas verschütteten Arbeiten von Castellari, die wir den Werken von Kollegen gegenüberstellen. Wenn wir unsere Reihe „Gloriosi Bastardi“ nennen, so wollen wir damit auch jene Werke rühmen, die Bastarde sind, nämlich illegitime Sprösslinge viel teurerer Hollywoodproduktionen, und zugleich doch ganz eigenständige Kreationen eines wilden Genrekinos.

Enzo G. Castellari, geboren 1938 in Rom, kommt aus einer Familie, die sich bis heute dem Film verschrieben hat: Sein Vater, Marino Girolami, arbeitete als Schauspieler und seit den 50er Jahren als ausgesprochen produktiver Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Bei ihm ging Castellari (noch unter seinem Familiennamen Girolami) in die Lehre und wurde vom Filmvirus gepackt, so wie auch sein Bruder Ennio, sein Cousin Massimo und seine Tochter Stefania. Nebenbei bekam der junge Castellari von seinem Vater Unterricht im Boxen und eine Ausbildung zum Stuntman. Robustheit, Dynamik und die Freude am Spektakel zeichnen denn auch seine späteren Filme aus. Wäre Castellari zehn Jahre früher geboren worden, so hätte er sich wohl mit Herkules- oder Maciste-Filmen bewähren müssen. Stattdessen ließ man ihn zuerst Western drehen, bevor er Anfang der 70er Jahre seine Bestimmung im temporeichen, actiongeladenen Polizeifilm fand – oft mit seinem kongenialen Hauptdarsteller Franco Nero. Damals erwarb er sich durch seine in Zeitlupe gefilmten, geradezu poetisch choreographierten und opernhaft orchestrierten Actionszenen den Ruf eines italienischen Sam Peckinpah. Vom langsamen Abstieg der italienischen Genrefilmproduktion wurde auch Castellari betroffen: Zunächst versuchte es der stets unabhängige und qualitätsbewusste Regisseur mit freien Variationen amerikanischer Blockbuster, bevor er sich dann Mitte der 80er Jahre auf Arbeiten fürs Fernsehen verlegte. Bald aber kommt er zurück: Für 2010 ist der Kinostart von Castellaris Gangsterfilm „Caribbean Basterds“ angekündigt.


Montag, 2. August 2010 um 21.30 im BABYLON
THE RIFFS - DIE GEWALT SIND WIR (1990: I GUILLIERI DEL BRONX / 1990: THE BRONX WARRIORS)
Italien 1982, R: Enzo G. Castellari, Regie-Assistentin: Stefania Girolami, D: Vic Morrow, Christopher Connelly, Fred „The Hammer“ Williamson, Mark Gregory, Stefania Girolami, George Eastman, Massimo Vanni, deutsche Fassung, 86 Min.
In der nahen Zukunft. Die Bronx von New York ist völlig verwahrlost: ein Ort der Düsternis, Anarchie und Grausamkeit. Hier herrscht das Gesetz der Straße, vertreten von rivalisierenden Motorradgangs, die sich aufs Blut bekämpfen. Ab Mitte der 70er Jahre gerät das italienische Genrekino zunehmend unter Druck, weil amerikanische Blockbuster mit immer größeren Budgets für Stars und Special Effects den Markt beherrschen wollen. Auch Castellari verlegt sich noch mehr als zuvor auf billige, aber kreative Variationen (sprich: Plagiate) von erfolgreichen Vorbildern: Hatte er schon mit „The Inglorious Bastards“ (1978) den Robert-Aldrich-Klassiker „Das dreckige Dutzend“ (1967) abgekupfert, so dreht er jetzt neben einem Verschnitt von „Der weiße Hai“ (1974) diverse Endzeit-Filme, die irgendwo zwischen „Mad Max“ (1978) „Die Klapperschlange“ (1981) und „Conan, der Barbar“ (1981) ihr Plätzchen finden. Der spannendste und einfallsreichste davon ist „The Riffs“: Wieder einmal erweist sich Castellari als Spezialist für zupackende Action und spektakuläre Stunts. Bei aller Härte und allem Gore zeigt er aber auch seinen Sinn fürs Skurrile und lässt eine Gang auf Rollschuhen herumfahren. Heute sind die 80er Jahre wieder schick, und wir erfreuen uns an knallengen Jeans, Wischmopp-Frisuren à la Puyol und einem Soft-Metal-Soundtrack mit jaulenden E-Gitarren.


Montag, 9. August 2010 um 21.30 im BABYLON
DEALER CONNECTION - DIE STRASSE DES HEROINS (LA VIA DELLA DROGA)
Italien 1977, Regie: Enzo G. Castellari (Enzo Girolami), D: Fabio Testi, David Hemmings, DF, 93 Minuten
Ein Undercover-Polizist will in Rom einen Drogenring aushebeln und die großen Bosse zur Strecke bringen. Fabio Testi ist der Cop und der Brite David Hemmings aus „Blow Up“ (1966) steht ihm als biederer Chef zur Seite. Mitte der 70er Jahre ebbt das Interesse am Italowestern merklich ab. Doch Italiens Filmemacher transferieren die Motive der Racheepen erfolgreich auf andere Genres: Castellari baut sie in seine Polizeifilme ein, wofür „Dealer Connection“ ein großartiges Beispiel ist, auch wenn es hier mal nicht um Rache geht. Wenn Drogen etwas mit Sinnestäuschungen zu tun haben, mit Verfolgungsjagden wie in Trance, irren Farben, Oberflächen und spektakulären Settings, dann wirkt der 70er Jahre Style von „Dealer Connection“ wie die ultimative Dosis. Die kongeniale Musik kommt von Goblin, Dario Argentos Hausband.

Montag, 16. August 2010 um 21.30 im BABYLON
TÖDLICHE NEBEL (I DIAFANOIDI VENGONO DA MARTE)
Italien 1965, Regie: Anthony Dawson (Antonio Margheriti), D: Tony Russell, Franco Nero, Deutsche Fassung, Farbe, 97 Min.
Im 21. Jahrhundert wird das Sonnensystem von einem mysteriösen Nebel bedroht, der ganze Raumstationen entführt und sich langsam Richtung Erde ausbreitet. Commander Mike Halstead und seine Astro-Cops von der „Gamma Uno“ machen sich daran, nach Aliens zu suchen. Horrorfilme mit nebligen Settings und ultralangen Schatten hat Castellari ausdrücklich gemieden. Zuständig dafür war zum Beispiel der Tüftler und ehemalige Setdesigner Antonio Margheriti, dem es hervorragend gelang, seine Western, Space-Operas und Gialli mit Horrorelementen zu verdüstern. Später machte er dann – wie Castellari auch – vor allem krachende Actionfilme. Als in den 60er Jahren das italienische Kino nach den Sandalenfilmen auch die Weltraumepen mit ihren aufwendigen Spezial Effekten für sich entdeckte, war Margheriti allererste Wahl. „Tödliche Nebel“ ist der beste von vier ursprünglich für das Fernsehen gedrehten, von ausländischen Partnern produzierten Science Fiction-Filmen, die alle in den selben Sets und mit den selben Schauspielern entstanden. Eine schwierige Mission: funky, bierernst und außerterrestrisch.


Montag, 23. August 2010 um 21.30 im BABYLON
GROSSANGRIFF DER ZOMBIES (NIGHTMARE CITY / INCUBA SULLA CITTÀ CONTAMINATA)
Italien/Mexiko/Spanien 1980, R: Umberto Lenzi, K: Hans Burmann („Die Brut des Bösen“, „Tesis“, „Abre los ojos“), D: Hugo Stiglitz („Die Rache der 1000 Katzen“, „Tintorera“, „Guyana – Kult der Vergessenen“), Francisco Rabal („Viridiana“, „Belle de jour“), Mel Ferrer („Rancho Notorious“, „Krieg und Frieden“), Laura Trotter, deutsche Fassung, 91 Min.
In einem Atomkraftwerk kommt es zur Katastrophe. Die verstrahlten Opfer fliegt man in einer Militärmaschine aus, doch sie verwandeln sich in Bestien und ziehen blutgierig und unaufhaltsam mordend durchs Land. Mit solcherlei Horror- und Zombiefilmen, deren Produktion im Italien der 70er und 80er Jahre prächtig gedieh, hatte Castellari nichts am Hut. Als ihm 1978 die Regie von „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies“ angeboten wurde, lehnte er deshalb dankend ab und überließ sie Lucio Fulci, dessen Karriere damit erst richtig in Fahrt kam. Im Gegensatz zu seinem Sohn hatte Castellaris Vater, Marino Girolami, keine Einwände gegen Untote, Blutspritzerei und schlimmen Geschmack, wie er mit „Zombies unter Kannibalen“ (1979) demonstrierte. Unverständlicherweise ist dieser Film in Deutschland verboten. Stattdessen zeigen wir Umberto Lenzis schmutzigen „Großangriff der Zom-bies“, der lose an die Dioxinvergiftung von Seveso erinnert, aber ebenso im Fahrwasser von Romeros „Dawn of the Dead“ (1978) schwimmt. Er beschert uns ein irrlichterndes Wiedersehen mit dem Bunuel-Spezi Francisco Rabal, dem alten Hollywood-Recken Mel Ferrer und vor allem mit der Mexploitation-Ikone Hugo Stiglitz, der Tarantino in „Inglorious Basterds“ mit seinem gleichnamigen Sergeant – gespielt von Til Schweiger – ein kleines Denkmal setzte.

Montag, 30. August 2010 um 21.30 im BABYLON
IM NETZ DER GOLDENEN SPINNE (MISSIONE SPEZIALE LADY CHAPLIN / OPERACION LADY CHAPLIN)
Italien/Frankreich/Spanien 1966, R: Alberto de Martino, Regie-Assistent: Enzo G. Castellari, M: Bruno Nicolai, D: Ken Clark, Daniela Bianchi, Helga Liné, Mabel Karr, deutsche Fassung, 102 Min.
Agent 077 jagt eine Bande, die eine Atomwaffe gestohlen hat und an einen afrikanischen Staat verkaufen will. Sein ärgster Feind ist die verführerische Lady Chaplin, die mal als Modedesignerin, mal als Wissenschaftlerin und mal als schießwütige Nonne auftritt. Als Sohn eines vielbeschäftigten Regisseurs hatte Castellari von früh an immer mit dem Filmemachen zu tun, genauso wie sein drei Jahre älterer Bruder Ennio, der seit den 50er Jahren vor der Kamera Karriere machte. Bei seinem Vater lernte Castellari das Handwerk als Regie-assistent, Stuntman, Drehbuchautor und Cutter in den damals populär Genres: Komödien, Western und James-Bond-Kopien. So kam es, dass Castellari 1966 auch bei einem der besten italienischen Agentenfilme assistierte: „Im Netz der goldenen Spinne“ ist knallbuntes Actionkino mit schönen Killern, lebensklugen Dialogen und einem fetten Soundtrack von Bruno Nicolai, dessen Musik auch in Tarantinos „Kill Bill“ auftaucht.

Montag, 6. September 2010 um 21.30 im BABYLON
DER TAG DER COBRA (IL GIORNO DEL COBRA)
Italien 1980, R: Enzo G. Castellari, K: Giovanni Bergamini, D: Franco Nero, Sybil Danning, William Berger, Ennio Girolami, Stefania Girolami, Massimo Vanni, Enzo Castellari, deutsche Fassung, 95 Min.
Zu den großen Glücksfällen des italienischen Genrekinos gehört die freundschaftliche Zusammenarbeit von Castellari und Franco Nero, denn in Nero fand der Regisseur den idealen Helden: einen harten Hund mit weichem Kern. Gemeinsam drehen sie 11 Filme, darunter zwei Meisterwerke – den Polizeifilm „Tote Zeugen singen nicht“ (1972) und den Endzeit-Western „Keoma“ (1976). In „Der Tag der Cobra“ spielt Nero einen ehemaligen Drogenfahnder, der nach Jahren im Knast die Gelegenheit bekommt, sich an seinem Lieblingsfeind zu rächen. In Genua durchsucht er finstere Hafenkneipen und schwüle Diskotheken, schlägt sich mit einem karatekämpfenden Transvestiten und entgeht dem Kugelhagel der Gegenseite. Dann trifft er die Sexbombe Brenda (gespielt von Sybil Danning, die sich danach zum Action-Star des amerikanischen B-Films entwickelte). Mit von der Partie sind Neros kleiner Sohn Carlo Gabriel (aus der Verbindung mit Vanessa Redgrave) sowie Castellaris Tochter Stefania, sein Bruder Ennio und sein Cousin Massimo. Elektrisierendes Adrenalinkino, in Zeitlupe fotografiert von Castellaris Lieblingskameramann Giovanni Bergamini („Keoma“) und unterlegt mit süffigem Synthie-Pop.


Montag, 13. September 2010 um 21.30 im BABYLON
JOHNNY HAMLET (DJANGO - DIE TOTENGRÄBER WARTEN SCHON / QUELLA A SPORCA STORIA NEL WEST)
Italien 1967; Regie: Enzo G. Castellari (Enzo Girolami), D: Horst Frank, Gilbert Roland, DF, 78 Min.
Shakespeares adelsmüder Hamlet galoppiert durch den staubigen Westen (der damals in Süditalien lag). Was für ein Versprechen! Der junge, ehrgeizige Castellari übernahm den Stoff vom Djangoerfinder Sergio Corbucci. Die deutsche Bearbeitung konnte sich damit nicht so recht anfreunden, und so wurde aus Johnny Hamilton (Andrea Giordana) kurzerhand der gewinnversprechende Django. Dieser kehrt von Vorahnungen und bösen Albträumen geplagt aus dem Bürgerkrieg heim. Sein Vater ist tot, seine Mutter inzwischen mit Onkel Claudio (Horst Frank) verheiratet, und seine Verlobte hat sich von ihm abgewandt. Als er erfährt, dass sein Vater ermordet wurde, sinnt er auf Rache. Bereits in diesem Frühwerk lässt Castellari sein ganzes Können aufblitzen. Wie später in „Keoma“ (1976) durchbrechen symbolische Traumbilder die Realität, virtuose Kamerafahrten und Zooms wechseln mit knalligen Showeffekten. Francesco De Masis Titelsong „Find a Man“ ist unerreicht.

Montag, 20. September 2010 um 21.30 im BABYLON
DER ANTICHRIST / DIE SCHWARZE MESSE DER DÄMONEN (L’ANTICRISTO)
Italien 1974, R: Alberto de Martino, M: Ennio Morricone, Bruno Nicolai, K: Joe D’Amato, D: Carla Gravina, Mel Ferrer, Arthur Kennedy, Umberto Orsini, Alida Valli, deutsche Fassung, 35mm, 112 Min.
Eine junge Frau aus dem italienischen Hochadel, die gelähmt im Rollstuhl sitzt, entwickelt übersinnliche Kräfte, gibt mit tiefer Männerstimme Obszönitäten von sich und beginnt ihre Umwelt zu terrorisieren. Ein Mönch wird bestellt, um den Teufel auszutreiben. Schon 1974 war jedem klar, dass es sich hier um ein Plagiat von William Friedkins Kassenknüller „Der Exorzist“ (1973) handelte. Doch wie die anderen glorreichen Bastarde unserer Reihe, die nichts als pures Kino und großes Spektakel sind, ist auch „Der Antichrist“ ein sehr gelungenes Plagiat: Zielstrebiger als die Vorlage, greller in seinen Schreckensvisionen und unverschämter im Umgang mit religiöser Bigotterie, Aberglauben und sexueller Lust. Mit dabei die Hollywood-Eminenzen Mel Ferrer und Arthur Kennedy, die hier erstmals seit Fritz Langs Westernmelo „Rancho Notorious“ (1952) wieder zusammen spielen. Dazu fette Orgelklänge von Morricone.

Montag, 27. September 2010 um 21.30 im BABYLON
FIREFLASH – DER TAG NACH DEM ENDE (2019: DOPO LA CADUTA DI NEW YORK)
Italien/Frankreich 1982, Regie: Sergio Martino, M: Guido & Maurizio De Angelis; D: Michael Sopkiw, Roman Geer, Edmund Purdom, George Eastman. 35mm. Deutsche Fassung.
In ferner Zukunft ist die Erde verwüstet, und die Menschheit droht auszusterben. Unter den Menschen geht ein Gerücht um, das Hoffnung macht: In den Ruinen von Manhattan soll es eine letzte gebärfähige Frau geben. Parzival betritt die todgeweihte Stadt und steht Gangs, Mutanten und Killerkommandos gegenüber. Seine blutige Mission beginnt. Der Regisseur Sergio Martino, dessen Bruder den Film produzierte, leistet ganze Arbeit: Sein Mix diverser amerikanischer Vorbilder von John Carpenter bis Ridley Scott bildet den Höhepunkt der Italo-Endzeitwelle. „Fireflash“ steckt voller skurriler Einfälle und comichafter Figuren, bedient sich freimütig in Grimms Märchenbüchern und hüllt sein düsteres Weltbild in Visionen brutaler Gewalt. Obwohl italienische Genrefilme am Fließband gedreht wurden, standen oftmals dieselben Leuten hinter und vor der Kamera. Der Schauspieler George Eastman, der auch am Drehbuch von „Keoma“ (1976) mitgeschrieben hatte, tobt hier als Anführer einer fiesen Affengang durch Manhattan. Mit von der Partie auch die Brüder De Angelis, die neben dem opernhaften Score für „Keoma“ auch für die Musik mehrerer anderer Castellari-Filme zuständig waren.

27. Mai 2010

Globale: Start!

Heute abend beginnt die diesjährige Ausgabe der Globale. Und gleich von Anfang an wird es schwer zu wählen: während nämlich um 18 Uhr im Moviemento 1 Babylon System – Prekäre Organisierung mit Vorführ-Effekt der Film des Freundeskreises Videoclip über das Babylon Mitte läuft, gibt es im Moviemento 2 die seltene Gelegenheit Nicola Angrisanos Il tempo delle arance – The time of oranges (I 2010) und Enrico Montalbanos La terra (e)strema (I 2009) über die migrantische Selbstorganisation in Italien zu sehen. (Aber das wißt ihr ja eh alle, weil ich das ja hier schon mal gesagt hab...) Hingehen!

12. Mai 2010

Ulli Lommel im Babylon/Mitte: In Personam und mit Filmen.


Ab heute und noch bis inkl. Samstag wird das Babylon/Mitte zur Spielstätte einer ganz eigenen Ulli Lommel Horror Picture Show: Einer der vielleicht sonderbarsten Protagonisten des deutschen Kinos der letzten 50 Jahre, dessen Absolute Evil letztes Jahr auf der Berlinale sowohl Überbau-Kollege Lukas als auch mich auf eigentümliche Weise faszinierte, wird dort jeden Abend um 20 Uhr aus seinem kürzlich erschienenen Buch lesen. Das nennt sich dann "70s Pop Show" und wird zudem musikalisch begleitet. Zuvor und danach gibt es dann noch Lommel-Filme: Um 18 Uhr Blank Generation, um 22 Uhr Cocaine Cowboys, beide aus den späten 70ern aus Lommels Warhol-Phase. Mehr Informationen hier.

Ulli Lommels Firma "Hollywood Action House" unterhält übrigens einen eigenen YouTube-Channel, dort findet sich auch dieses Dokument: Lommel und Fassbinder erstmals auf der Berlinale:



Auch schick, aber nicht embeddable: Dieses Gespräch mit Lommel.

11. Mai 2010

The Diabolical Dr. Z.




Morgen, am 12. Mai, läuft bei den "Freunden des schrägen Films" im Kino Babylon/Mitte anlässlich Jess Francos 80. Geburtstag dessen ziemlich großartig pulpiges Frühwerk The Diabolical Dr. Z, der in mancherlei Hinsicht seinen späteren Sie tötete in Ekstase (über den Co-Überbauarbeiter Lukas hier einige Zeilen geschrieben hat) vorweg nimmt. Dr Z ist zwar glasklar ein B-Movie, aber ein extrem stylishes mit vielen schönen Spielereien, einem sehr entrückten Soundtrack und seltsamen Orson-Welles-Reverenzen.

(dass ich der Vorführung eine kleine, zehnminütige Einführung voranstelle, sei ebenfalls nicht unerwähnt)



8. Mai 2010

8.5.: Linke Kinonacht "65 Jahre Befreiung 1945-2010"

Anläßlich der Linken Kinonacht heute nachmittag/abend im Babylon Mitte ruft die FAU zu einem "Begleitprogramm" mit Musik, Filmen, Lesungen, Redebeiträgen und feiner Mai-Bowle (u.a. mit PunkrockMC, Andreas „Spider“ Krenzke und Harun Farocki) auf.

Sa 8. Mai / Rosa-Luxemburg-Platz / ab 19.00 Uhr

2. Mai 2010

L'Ossessa - Das Omen des Bösen.


Am Mittwoch, 05. Mai, bietet sich im Kino Babylon/Mitte um 21:30 die Möglichkeit, die spezifisch italienische Form der appropriation an konkretem Material zu studieren. Gezeigt wird L'Ossessa - Das Omen des Bösen, ein 1974 unmittelbar im Anschluss an Friedkins Okkultismusblockbuster Der Exorzist gedrehter Rip-Off, der in den USA dann auch gleich unter dem Titel The Sexorcist in die Kinos gebracht wurde.

Aus dem Programmtext:

Die schöne Kunststudentin Daniela (Stella Carnacina) rettet zusammen mit ihrem Professor religiöse Skulpturen aus einer alten Kirche, die zum Abriss freigegeben ist. Zunächst rekonstruiert sie ein Kruzifix, das einen der Diebe zeigt, die bekanntlich neben Jesus hingerichtet wurden. Als dann plötzlich der Mann (Ivan Rassimov) vom Kreuz herabsteigt, sich aller Kleider entledigt und von Daniela Besitz ergreift, ist ein Exorzismus fällig. Schlimm, schlüpfrig, gory.

Ein imdb-Kommentator empfiehlt: "By no means is this movie good, but it sure is entertaining!It makes no sense at all, but never slows down to allow you to contemplate its sheer absurdity."

21. April 2010

Freunde des schrägen Films: Der Fluch der schwarzen Schwestern.

Heute abend bietet sich im Kino Babylon die seltene Möglichkeit, einen Film des Sexploitation-Auteurs Joseph W. Sarno im Kino zu sehen: Der Fluch der schwarzen Schwestern ist ein in Europa entstandener Vampir/Sexploitation-Streifen, für den, laut Programmtext, Jess Franco und Jean Rollin Pate gestanden haben könnten.

Hier der Trailer:

23. Februar 2010

Freunde des schrägen Films: Blood Beach.


Morgen abend um 21.30 läuft bei den "Freunden des schrägen Films" im mittigen Kino Babylon der 80er Reißer Blood Beach, über den Brooklyn Rail schreibt:

Widely regarded as the Citizen Cane of “Keller who lives beneath the sand” movies, Blood Beach stars John Saxton as- strangely enough- a sheriff. Somehow a deranged, deformed killer has managed to take up residence beneath the sand of a booming beach. How this is possible is never really explained. Suffice it to say that he pulls unsuspecting bikini clad teens under the sand to his lair where he proceeds to dismember them. This is the beach horror movie as high concept. It has the premise of Jaws, but instead of the shark it’s a dude, and instead of the danger being under water, the danger is under the sand. This guy fucks you up before Jaws ever gets a chance to.