Am 04.Mai verlassen wir nach zwei Expeditionen ins österreichische und italienische Genrekino erstmals den europäischen Kontinent und wenden uns dem japanischen Film der 60er, genauer: dem im vergangenen Herbst bei einem Unfall ums Leben gekommenen, ewigen Kinorebell Koji Wakamatsu zu. Sein Film Akamoru - Das dunkle, wilde Begehren (1967) gehört zu den legendären Ultrararitäten aus Wakamatsus über 100 Filme umfassendem Werk. Nach unserem Kenntnisstand liegt Akamoru in keinem Homevideo-Format vor.
Wir zeigen den Film im Kino Babylon/Berlin-Mitte als historische 35mm-Kopie aus den 60ern mit der deutschen Synchro der damaligen Kinoauswertung. Selbst der gerne mal pingelige film-dienst war seinerzeit nicht völlig abgeneigt und bemerkte so anerkennend wie zurückhaltend: "Würde [Wakamatsu] einmal eine Geschichte geradlinig und diszipliniert erzählen und nicht um jeden Preis eine Schocktherapie verabreichen wollen, so müßte ihm ein bedeutender Film gelingen."
Bereits im Januar lief der Film im Nürnberger KommKino, auf dessen Programmtext ich an dieser Stelle gerne verweise.
Wer wissen will, was Dominik Graf einst mit dem Begriff "italodynamisches Erzählen" meinte, bekommt in den nächsten Wochen in der neuen Film-Staffel der "Freunde des schrägen Films" bestes Anschauungsmaterial geliefert: Unter dem Titel "Leder, Knarren, Meuchelmörder - Italienische Thriller der 60er und 70er Jahre" läuft dort bereits seit vergangenen Montag (an dem dann auch eines der großen Highlighs bereits lief: Der Tod trägt Schwarzes Leder, ein Film über die Aufdeckung eines Kinderprostitutionsrings, der Bahnen bis in höchste Politkreise zieht, den ich schon zu lange nicht mehr gesehen habe, um den kürzlich ausgestrahlten Graf-Film Das unsichtbare Mädchen damit wirklich in Bezug bringen zu wollen, auch wenn ich mehrfach an diesen Film denken musste) eine wirklich exzellent kuratierte Reihe, die den italienischen Thriller noch bis in den Juni von seiner schönsten Seite her zeigt: Schmutzig-spekulativ einerseits, von unbedingtem Stilwillen geprägt andererseits, in der Welt der reißerischen Trivialromane ebenso beheimatet, wie er mit einem Bein im harten, realistischen Alltag des Italiens der 60er und 70er Jahre steht.
