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9. April 2010

Werkschau Lisandro Alonso im Arsenal


Ab heute im Arsenal: eine Werkschau der vier Filme des argentinischen Festivallieblings Lisandro Alonso. Zwei davon kenne ich: Los muertos ist eine beeindruckende Übung in Kino-Minimalismus. Ein Mann wird aus dem Gefängnis entlassen, bewegt sich durch den Raum, isst und trinkt, hat Sex, tötet ein Tier. Und fährt einmal in einem Boot über den Fluss, die Kamera bewegt sich in einem anderen neben ihm her. Nikolaus schreibt hier unter anderem darüber, wie sich der Film zur Narrativität, die man eben doch nicht so leicht über Bord geworfen bekommt, verhält.
Liverpool macht im Grunde dasselbe und übersetzt es lediglich in eine andere zivilisatorische Stufe, weiter weg von der Natur. Industriedampfer anstatt Ruderboote, Tiere werden nicht mehr von Hand, sondern mit der Falle getötet, der Sex wird zu seinem bloßen Versprechen in der Nachtclubshow. Und irgendwie werden die Bilder etwas zu schön, sie erstarren noch in der Bewegung, so frei, wie die Flussszene in Los muertos wird der Film nie. 2008 in Wien hatte mich der Film ziemlich enttäuscht, er ist mir aber seither sehr präsent geblieben, vielleicht muss ich ihm doch noch einmal eine Chance geben. Und auf La Libertad und Fantasma freue ich mich ohnehin.


3. Dezember 2008

In 14 Filmen um die Welt

Als Alternativprogramm zum Wrestlerfilm läuft im selben Kino heute Carlos Reygadas' neuestes Werk Stellet licht, über das Ekkehard Knörer sich unlängst in der taz äußerst angetan äußerte:

"Es gibt Szenen des Glücks, Musik aus dem Radio, Johan fährt mit dem Auto dazu mehrfach im Kreis. Ein Bad der Familie in einem Teich als in die Tragödie eingelegte Idylle. Momente der Leichtigkeit - minutenlang singt einmal, ein Ereignis wie aus dem Nichts, Jacques Brel. Es gibt die tiefe Verzweiflung am Straßenrand, im Regen, fast nicht zu erkennen sind die Figuren in der herzzerreißendsten Szene dieses irdisch schönen Films." (mehr)

Der Film ist Teil eines recht neuen Minifestivals namens "In 14 Filmen um die Welt", das bereits in vollem Gange ist. Einige der Höhepunkte stehen aber noch aus: Neben Reygadas darf man vor allem auf Jia Zhang-kes Dokumentarfilm Useless gespannt sein, der am 4.12. um 20:00 Uhr und am 5.12. um 22:00 Uhr zu sehen sein wird. Von Lisandro Alonsos Liverpool dagegen möchte ich zwar nicht unbedingt abraten, wirklich überzeugt hat er mich aber nicht. Wer auf Sex und Gewalt gegen Tiere spekuliert, wird in jedem Fall enttäuscht werden.

Ein Tipp für Festivalbesucher: Es schadet nicht nur nicht, ein wenig nach der offiziellen Startzeit zu erschienen, es ist sogar zu empfehlen. Die Veranstalter halten es für eine gute Idee, vor den Hauptfilmen (ausnahmslos deutsche) Kurzfilme zu programmieren, die nach meinen bisherigen Erfahrungen allesamt ganz fürchterliche Filmhochschulen-Ausstoßware sind. Wer da eine Viertelstunde später erscheint, schont seine filmästhetische Sensibilität.