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25. Februar 2013

Ab Freitag: Ein Lied um Mitternacht im Arsenal

Nachfolgend ein Ankündigungstext zur Filmreihe "Ein Lied um Mitternacht", die ab dem 1.3. im Berliner Arsenal zu sehen sein wird und an deren Kuratierung und Organisation einige Überbau-Autoren beteiligt sind. Das Programm und weitere Informationen hier.






Ein Lied um Mitternacht
Chinesische Filmgeschichte von 1929 bis 1964
1. bis 31. März 2013 im Kino Arsenal
Die Reihe "Ein Lied um Mitternacht – Chinesische Filmgeschichte von 1929 bis 1964" präsentiert erstmals einen Teil der chinesischen Filmgeschichte, der in Deutschland bislang unsichtbar war. Zum Vorschein kommt dabei eine der reichhaltigsten und vielseitigsten Kinematografien der Filmgeschichte. Die Reihe bildet das chinesische Kino in all seiner Heterogenität und Formenvielfalt in 24 Filmen ab: chinesische Filmgeschichte als ein offenes Spannungsfeld von Traditionslinien und Brüchen, das bis in die Gegenwart hinein das aktuelle Festivalkino prägt.

Seit den 80er Jahren findet der chinesische Film weltweit Aufmerksamkeit. Programmkinos und Festivals feierten Regisseure wie Zhang Yimou, Jia Zhang-ke oder Wang Bing – ihre Filme wurden in den Feuilletons diskutiert. Jedoch meist in der Annahme, dass sich die vermeintlich staatskritische Ausrichtung der Filme grundlegend von dem unterscheide, was ihm historisch vorausging. Mehr noch, dass sein präziser Blick auf gesellschaftliche Transformationsprozesse eine Befreiung darstelle von einem banalen Kino des Dogmas und der kommunistischen Propaganda.

Mit Blick auf die chinesische Filmgeschichte lässt sich diese Annahme nur bedingt aufrechterhalten. Sichtbar wird stattdessen eine vielseitige, dynamische Nationalkinematografie, die sich einerseits nicht auf eindeutige ideologische Positionierungen reduzieren lässt, andererseits aber da, wo sie sich für propagandistische Anstrengungen einspannen lässt, eine beeindruckende Vielfalt aufweist.

Das Programm stellt Melodramen, Komödien und Krimis des breit gefächerten Star- und Genresystems des Shanghai-Kinos der 30er Jahre – darunter die Filme DAYBREAK (Tianming, China 1933) und LITTLE TOYS (Xiao Wanyi, China 1933) von Sun Yu neben das neue Kino, das nach dem Sieg der Volksbefreiungsarmee 1949 entstand. Selbst diese Filme lassen sich nicht auf die Klischees eines eindimensionalen Propagandafilmschaffens reduzieren. Es finden sich ebenso spielerische, wie filmisch versierte Auseinandersetzungen mit der sozialistischen Umgestaltung des Gemeinwesens. Eine besondere Entdeckung sind dabei zwei Animationsfilme der Zeichentrickpioniere Wan Guchan und Wan Laiming.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Frühwerk des Autorenfilmers Xie Jin. Die ersten beiden Filme von Xie, WOMAN BASKETBALL PLAYER NO. 5 (Nu lan wu hao, Volksrepublik China 1957) und RED DETACHEMENT OF WOMAN (Hong se niang zi jun, Volksrepublik China 1961), verweisen auf eine besonders wichtige Traditionslinie: die Rolle der Frau in der chinesischen Gesellschaft.

5. März 2010

Gedenkveranstaltung zum 75. Todestag von Ruan Lingyu




Vom Chinaclub hatte ich, offen gestanden, noch nie etwas gehört. Er liegt etwas ab vom Schuss in Friedenau, aber es scheint sich zu lohnen, dort ab und an vorbei zu schauen. Freitags laufen dort regelmäßig chinesische Filme, inklusive Einführung und Vermittlungsprogramm. Und diesen Sonntag sind in einer Sonderveranstaltung gleich drei Stummfilme des jung verstorbenen Superstars Ruan Lingyu zu Ehren ihres 75. Todestages zu sehen. Los geht es gleich um 16:00, die Filme stammen aus den Jahren 1933 und 34 und hören sich alle drei höchst interessant an.
Via cinepolitics

14. September 2009

Chinesische Filme im Arsenal

Die Magical History Tour des Kinos Arsenal beschäftigt sich in den nächsten Wochen mit der neueren und nicht ganz so neueren Geschichte des chinesischen Films. Ein äußerst reichhaltiges Feld, dem sich bitte, bitte demnächst auch einmal eine ausführlichere Filmreihe widmen darf!
Gleich heute ein erster Höhepunkt: Fei Mus Frühling in einer kleinen Stadt, ein perfekt durchgestyltes Thriller-Melodram, das nicht umsonst immer wieder zum besten chinesischen Film aller Zeiten gewählt wird. Dienstag dann ein Film, über den ich kaum Informationen auftreiben konnte. Hung sik leung dje ching - Das rote Frauenbatallion ist angeblich ein "klassisches chinesisches Revolutionsballett zwischen Kitsch und Pop".
Später dann einschlägige Werke der fünften und sechsten Generation chinesischer Regisseure, einige Dokumentarfilme, darunter mindestens ein weiterer Pflichtfilm: Wang Bings Tiexi Qu / West of the Tracks, beziehungsweise, soweit ich das überblicke, dessen ersten Abschnitt. Und als weiterer Höhepunkt bietet sich zum Abschluss die Möglichkeit, Liu Jiayins minimalistisches Meisterwerk Oxhide nachzuholen.

16. April 2009

China Independent Documentary Archive

Ich bin auf ein großartiges Projekt gestoßen, das bereits seit 2006 zu existieren scheint: Das China Independent Documentary Archive. Kernstück der Seite sind eine ganze Reihe chinesischer Dokumentarfilme, die online als Stream ansehbar sind und zwar nicht in Youtube-Qualität, sondern in wirklich guter und außerdem fast alle mit englischer Untertitelung. Die meisten Filme stammen aus den letzten drei, vier Jahren, es ist aber auch der Klassiker Bumming in Beijing aus dem Jahr 1990 zu sehen. Unter den neuen Produktionen findet sich unter anderen der vielleicht schönste Film der letzten Berlinale: Dr. Ma's Country Clinic. Das Ziel der Seite scheint zu sein, die Dokumentarfilmszene in China von verschiedenen Seiten aus sichtbar zu machen. Das China Independent Documentary Archive sucht den Kontakt zu Wissenschaftlern und Kritikern und möchte mittelfristig auch Texte zu den Filmen sammeln. In dieser, wie in manch anderer Hinsicht ist das Projekt noch nicht allzu weit gediehen, aber das, was bisher schon geleistet wurde, sieht wunderbar aus: Genau so kann Independentkino im Internet sichtbar gemacht werden.

Noch ein Hinweis: Um die Filme ansehen zu können, ist eine Anmeldung erforderlich. Die Antwortmail kam bei mir schnell an, landete aber zunächst im Spameingang.