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14. April 2010

RIP Werner Schroeter


Werer Schroeter ist am 12.4. mit 65 Jahren nach langer Krebserkrankung verstorben. Ich möchte kein Bild auswählen, das für alle anderen einstehen müsste, die er seit den späten Sechziger Jahren produziert hat. Statt dessen ein Fundstück (via cargo): Ein Gespräch, das der Regisseur letztes Jahr mit dem Freitag geführt hat und das sich nicht um die Bilder dreht, sondern um das Leben unter Schroeterschen Bedingungen.

28. Mai 2009

HIGHLIGHTS

Am Samstag, den 30. Mai 2009, wiederholt das Arsenal zwei der vielleicht sehenswertesten Arbeiten Werner Schroeters, die in der aktuellen Retrospektive gezeigt werden.


In POUSSIÈRES D’AMOUR (Abfallprodukte der Liebe, Frankreich 1996) lädt Schroeter Opernsängerinnen in eine mittelalterliche Location bei Paris, um mit Ihnen zu arbeiten und über Liebe, Leben und Tod zu sprechen. Der Film verbindet die entstehenden Ausschnitte aus den Arbeitsprozessen miteinander, die verschiedenen Passagen treten untereinander in einen Dialog, ein fortlaufendes Gespräch, das von Schroeter in die Umgebung integriert wird, die Wandelhallen des Klosters, die Türme von La Défense. Schnitt für Schnitt entsteht eine filmische Collage, rhythmisiert sowohl durch die Musik als auch durch die Kameraarbeit von Elfi Mikesch, die permanent Ihren Blick neu ausrichtet, in Beziehung tritt, zu dem was sie vorfindet, auf diese Weise immer präsent bleibt, immer anwesend im Bild. Wie Werner Schroeter selbst meistens durch seine Stimme, seine Regianweisungen präsent ist, oft sitzt er auch einfach irgendwo am Bildrand. Gleich am Anfang steht der Tonassistent mit seiner Angel neben dem Konzertflügel. Die Arbeit am Film wie die Arbeit an der Musik wird so als eine soziale, kommunikative Praxis sichtbar. Doch wird hier nichts entzaubert. Im Gegenteil: in der Art und Weise, in der Schroeter seine Stars vor die Kamera holt, entreißt er sie der ikonisierten Erstarrung der Diva und gibt Ihnen eine ungleich größere Würde zurück, die Möglichkeit, sich selbst als dass, zu dem sie einmal geworden waren, wieder zu begreifen, und sich mitzuteilen. Eine neue, nicht ganz zufällige Gemeinschaft entsteht, zwischen Filmemachern, Darstellern und dem von den Verstehensprozessen der Kausalität befreit zur Leinwand aufblickenden Publikum. Das Ende des Films, der Schluss allein rechtfertigt eine Retrospektive.

Zuvor zeigt das Arsenal Schroeters in Deutschland praktisch nicht rezipierten Spielfilm DEUX (Frankreich, 2002). Aus seinen Dokumentarfilmen POUSSIERES oder auch der GENERALPROBE (Frankreich, 1980) übernimmt er die keiner chronologischen oder kausalen Ordnung folgende Erzählweise. Der Film springt zwischen Schauplätzen in Portugal, Paris und Marseille und verschiedenen Epochen des zwanzigsten Jahrhunderts hin und her, im Zentrum eine von Isabelle Huppert gespielte Doppelfigur, eine eineiige Zwillingsschwester, die von ihrem Double nichts weiss. Die verschiedenden Bildräume setzt Schroeter immer wieder durch eigenartige Blicke in Beziehung: entlang der klassischen Blickachse konstruiert, obwohl sie andererseits unmögliche Anschlüsse darstellen. Schroeter demonstriert virtuos wie der Blick im Kino die Barrieren der Einheit von Ort, Zeit und Handlung überflüssig macht, sie überblickt, zu einem anderen Verständnis drängt, dass nicht an Wahrscheinlichkeit interessiert ist, eher an einer Wahrheit, die wie Schroeter selbst im Anschluss an die Vorstellung von DEUX letzte Woche Tschaikowsky zitierend sagte, im „unaufgehobenen Widerspruch von Schönheit und Schmerz“ entstehe. In DEUX wird diese Differenz verkörpert von Huppert, und offenbart sich in der Musik, einer Musikalität die Oper, Schlager und Lärm umfasst. Ob sich dem Publikum deswegen eine Wahrheit offenbart, ist ungewiss. Eine andere Erfahrung von Kino dagegen ist ihm sicher.

DEUX, am 30.05.2009 um 19:30, danach POUSSIERES D'AMOUR im Arsenal.

15. Mai 2009

Werner Schroeter im Arsenal

Es dürfte sich schon herumgesprochen haben: Ab heute abend läuft im Kino Arsenal zwar keine komplette, aber doch eine recht umfangreiche Retrospektive der Filme Werner Schroeters. Der Mann wird zur Zeit auf breiter Front wiederentdeckt: Nuit et chien lief im Venedig-Wettbewerb 2008, die Viennale widmete Schroeter ein Tribut, vor kurzem erschienen zwei Filme bei der Filmgalerie 451 auf DVD (das münchner Filmmuseum plant wohl eine Gesamtedition), außerdem erschien (bereits 2006) ein Buch zu Schroeter, das Bert Rebhandl hier bespricht. Jetzt also die Filme im Arsenal. Den Anfang macht heute abend Poussieres d'amour. Hier der deutsche Trailer zu Nuit de chien:

30. März 2009

Neue DVDs


Mit Palermo oder Wolfsburg und Abfallprodukte der Liebe erscheinen heute wenn ich mich nicht täusche die ersten beiden Werner-Schroeter-Film überhaupt in Deutschland auf DVD und zwar bei der Filmgalerie 451. Da die Filmgalerie derzeit auch Schroeters neuestes Werk Nuit de Chien ins Kino bringt, steht zu erwarten, dass das nicht die letzten beiden Schroeter-DVDs der Filmgalerie sein werden und dass eine weitere Lücke in der Editionslage des neueren deutschen Kinos nach und nach geschlossen wird.
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Von Abel Ferraras schönem The Funeral war in Deutschland bisher nur eine indiskutable Version erhältlich (Vollbild, kein Originalton). Es steht zu erwarten, dass die Arthaus-VÖ, die diese Woche erscheint, ihre Sache besser macht. Zu hoffen bleibt, dass Arthaus Ferrara treu bleibt und auch zu seinen obskureren Filmen vorstößt (Fear City, China Girl, Snake Eyes etc)
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Ebenfalls bei Arthaus wird zur Zeit Volker Schlöndorffs Frühwerk verlegt, dem man ja im Allgemeinen mindestens Erträglichkeit nachsagt. Überprüft habe ich das bisher noch nicht... Diese Woche erscheint Strohfeuer (1972).
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Schließlich erscheint Diary of the Dead als Verleih-DVD. Ein regulärer Kinostart des fünften Teils von Romeros Zombie-Saga dürfte sich somit erledigt haben. Gesehen habe ich das Ding noch nicht, der sechste Teil ist inzwischen bereits abgedreht und wird schlicht und einfach ...of the Dead heißen. Zu hoffen bleibt in jedem Fall, dass Romero irgendwann mal wieder zombiefreie Filme finanzieren kann. Wobei mir rückblickend auch noch Land of the Dead sehr gut gefallen hat und der Trailer zu Diary sieht zumindest so aus, als könnte sich dahinter eine vielleicht nicht ganz unsinnige Verdiskursivierung der first-person-Kameraperspektive verbergen: